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Okt.
03

Das Recht dazu - ein Gespräch aus alten Tagen (B&F 5)

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Aufzeichnung eines Gesprächs aus dem Jahre 2014. Irgendwo in der Schweiz in einer alten, gemütlichen Wohnstube. Boller und Fredi geniessen einen geruhsamen, regnerischen Abend in der wohligen Wärme eines Kachelofens.

Boller: «Fredi! Was fragst du mich? Du weisst, ich verstehe es. Auch wenn ich nicht möchte, aber ich verstehe es.»

Fredi blickt zu Boller, der es sich im Stressless-Sessel gemütlich gemacht hat.

Fredi ist ausser sich: «Jetzt will doch dieser Blocher zusammen mit seiner SVP die Menschenrechte in der Schweiz aushebeln.»

Enerviert fährt er sich durch die Haare. «Es darf doch nicht sein, dass dieser immer weiter nach rechts rutschende SVP-Klüngel auch damit noch Erfolg haben wird. - Boller, ich mache mir Sorgen um die Schweiz, um ihre humanitäre und liberale Tradition. Und um die Demokratie.»

«Es gibt viele Gründe, Blocher zu verstehen», antwortet Boller nach einer kurzen Pause und streckt sich auf dem Sessel mit einem wohligen Stöhnen aus.

«Die  reichen vom rachesüchtigen, abgewählten Bundesrat über die Anbiederung an die ganz Rechten, ich denke da an die Schweizer Demokarten oder die Autopartei, die in der SVP Unterschlupf gefunden haben, bis hin zum Diktator, den er werden möchte. Doch diese sind nur für das Verstehen seines Handelns zentral. Und es gäbe noch einige mehr, aber die erspare ich dir. Viel wichtiger ist: Er hat das Recht dazu. Und dieses wollen wir ihm doch nicht nehmen. Oder?"

Sep.
30

«House by the Lake» oder: So hat halt jeder seinen Job

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Manchmal frage ich mich, bin ich in einem Traum oder ist das Wirklichkeit? Seit dem Landkauf ist noch kaum richtig Zeit vergangen, schon liegt der Spatenstich hinter uns und die Bauarbeiten sind voll im Gang (im Cover: unser Baumeister bei der Ausmessung des Fundaments. Eine aktuelle Bilderstrecke zum Hausbau, die ersten beiden Tage, ist auf PicTapas publiziert.

Hausbau in Vietnam heisst: Da wird viel improvisiert und selbst gemacht: Die Nachbarn helfen; wo ein Messband fehlt hilft der Daumen; ein Plan ja, aber der wird direkt vor Ort live modifiziert; und ich als Bauherrn? Ich besorge den Znüni.

Wie das Haus am Ende herauskommen wird?

Ich weiss es nicht. Ich bin nun mal kein Baufachmann. Ich stehe da, schaue mir alles an, Entscheide anhand von Hieps Übersetzungen und bin dankbar, dass ich so etwas überhaupt erleben darf. Das Gefühl, es kann gar nichts schiefgehen und wenn dann, «Take it easy», versuche ich mir anzueignen. Es klappt immer besser.

Ein Beispiel: Gestern war Spatenstich mit Buddha-Segnung. Für die Vietnamesen ein wichtiges Ritual. Auch Tag und Zeit wurden durch buddhistische Regeln festgelegt. Dann hat Hiep ein Loch gegraben, es wurde gebetet, ein Stein versenkt und Früchte und Blumen dargebracht.

Danach ging es direkt zum Baumaterial-Lieferanten. Es galt Kies, Sand, Zement zu ordern und eine Anzahlung zu leisten. Diese Verhandlungen dauern jeweils nicht mehr sehr lange, da Hieps Bruder Vorverhandlungen geführt hatte und ich mich auf seine Empfehlung verlassen kann. Drei Stunden später war die erste Lastwagenladung Kies bereits angeliefert.

Heute nun kam der Baumeister mit seinen Mannen. Wir berieten über den Standort des Hauses, legten den Eckpunkt im Nordosten fest, und die Aussenmauern wurden mit Kreidesand auf dem Boden markiert. Dann das Missgeschick. Der gesegnete Stein lag ausserhalb des Hauses. Ich schlug vor, ausgraben und den Stein einen halben Meter verschieben. Doch das war keine gangbare Lösung. Also wurde das Haus um einen halben Meter verschoben.

Und dann musste ich feststellen: Grossbauer ist wohl doch nicht mein Ding!

Zum Baustart wollten Hiep und ich zwei Kokosnusspalmen pflanzen. Also Hacke geschnappt und los gings. Es dauerte nicht lange, mein Loch war noch keine 10 Zentimeter tief, da kam mein Nachbar und meinte, so würde das nie was. Er riss mir förmlich die Hacke aus der Hand und machte sich dann seinerseits daran, das Loch zu graben. In gleichen Masse wie das Loch grösser und tiefer wurde, wuchs mein Erstaunen. Mir schien das Loch über 250 Prozent zu gross. Er aber er stellte den Palmensetzling (in drei Jahren gibt es die ersten eigenen Kokosnüsse) hinein und wollte zuschütten. Doch da kam mein Veto: Stop für Foto! So hat eben jeder seinen Job.

Sep.
26

Vom FC St.Pauli und muslimischen Männern (B&F 4)

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Neulich an einem Abend bei angenehmen 28 Grad Celsius in Nha Trang. Boller und Fredi sitzen in einem einfachen Strassenrestaurant auf kleinen roten Stühlen vor einem kleinen roten Tisch. Es weht ein laues Lüftchen. Sie geniessen Seafood und Bier und diskutieren über die vielen Köstlichkeiten, die es in Vietnam zu verspeisen gibt.

Unvermittelt das Thema wechselnd, Fredi steckt sich gerade eine gegrillte Garnele in den Mund, sagt Boller: «Ich bin ja ein St.Pauli-Fan. Schon seit langem. Aber wusstest du, dass unser Schreiberling auch FC-St.Pauli-Fan ist?»

Bollers Frage erstaunt Fredi, denn sie kommt wie aus dem Nichts: Sie haben 'den Tag beim Abendessen kulinarisch todgequatscht', wie es Fredi so gerne nannte. Dann, nachdem er das Krustentier genüsslich vernichtet hat, erwidert er: «Nein. Wusste ich nicht. Wie kommst du drauf?»

«Ich habe in Facebook einen Post gesehen. Da outet sich der Schreiberling als St.Pauli-Fan. Er hat den Post ‘FC St.Pauli gegen Rechts’ geteilt mit dem Kommentar: ‘Auch ich ein St.Pauli-Fan. Auch ich gegen Rechts.»

«Er ist eben ein Linker, unser Schreiberling», erwidert Fredi und weiter: «Ich bin auch ein Linker. Also eher links und St.Pauli-Fan bin ich auch. - Eigentlich müsste ich ja für die deutsche AFD sein. Deren Spitzenkandidatin, Alice Weidel – die lebt übrigens mit ihrer Partnerin und zwei Kindern in der Schweiz - hat sich im Wahlkampf für Schwule und Lesben stark gemacht und ihr Bekenntnis zur Homosexualität mit Asylpolitik, Ausländerkriminalität und Islam verbunden. Sie sagte, Schwule und Lesben trauten sich nicht mehr, Arm in Arm auf die Strasse zu gehen, weil muslimische Gangs Jagd auf Homosexuelle machten. Aber das stimmt nicht. Das sind Fake-News. Und ich bin gegen die AFD, weil», Fredi legte eine Kunstpause ein, um den folgenden Worten Nachdruck zu verleihen, «ich mag auch muslimische Männer.»

Sep.
26

Rosenwasser (B&F 3)

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Irgendwo in einem billigen Hotel in Europa, Juni 2017. Fredi, der schöne Schwule von vis-à-vis, schaut Boller an und fragt unverhofft: «Gehst du nach Vietnam?»

«Ich weiss noch nicht. Vermutlich schon. Was soll ich sonst machen?»

«Du kannst hier bleiben.»

«Aber dann gibt es mich irgendwann nicht mehr. Der Schreiberling wird uns früher oder später vergessen, wenn wir nicht zu ihm nach Vietnam gehen. Du hast es ja selbst erlebt. Kaum war er in Vietnam wurde es ruhig um uns.»

«Ja», sagt Fredi und wird nachdenklich. «Meinst du, wir beide sterben sozusagen aus, wenn wir ihm nicht nach Südostasien nachreisen?»

«Genau. Das meine ich.» Boller holt sich eine frische Flasche Wasser aus dem Kühlschrank, giesst ein.

Fredi melancholisch: «Ich möchte aber noch nicht sterben.»

Bollers Blick leer, sein Mund stumm.

Fredi wischt sich in seiner femininen Art elegant durchs Haar: «Zudem habe ich noch so viel Rosenwasser. Es wäre eine Schande, dies alles ungenutzt zurückzulassen.»

«Ach Fredi. Lass uns nach Südostasien fahren. Nimm das Rosenwasser mit. Ich will doch auch noch nicht abdanken. Es gibt noch so viel zu verstehen.»

Fredi jetzt hämisch lachend: «Ja Boller. Du verstehen, ich vernaschen. Ausserdem», ergänzt er, «dem Schreiberling wird es ohne uns früher oder später öde und langweilig. Was soll er denn in der neuen Heimat machen, wenn er uns nicht mehr schreiben kann?»

Zwei Tage danach fliegen Boller und Fredi über Bangkok, das war der günstigste Flug, den der Schreiberling im Internet für sie finden konnte, nach Saigon. Fredi soll sich - Berichte Mitreisender zufolge - masslos darüber geägerte haben, dass auf dem Etihad-Flug nur Stewardessen an Bord waren. Ein paar Tage später reisten sie mit dem Nachtzug weiter nach Nha Trang, einer ungewissen Zukunft entgegen.

Sep.
24

In der alten Heimat oder: Trompeten-blabla (B&F 2)

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Wir schreiben das Jahr 2 nach 9/11. Boller und Fredi kamen nach einer langen Zeit im Ausland in ihr Dorf zurück, das sie kurz nach Bollers grossem Verstehen verlassen hatten.

«Viel verändert hat sich nicht», sagte Boller mehr zu sich selber, während er an den ach so bekannten Gärten und Hauseingängen vorbei schlenderte. Die Quartierstrasse verschlafen, von Einfamilienhäusern gesäumt. Die Vorgärten gepflegt. Nach der Kurve immer noch das Haus mit dem Autoabbruch vor der Garage.

Wie hiess er noch, dieser Nachbar? Boller kam sein Name nicht gleich in den Sinn. Aber, und sofort huschte ein Lächeln über sein Gesicht, Boller erinnerte sich gut, wie damals getuschelt wurde, die Frau des kleinen Nachbarn, der so gerne grosse, alte Amerikanerautos fuhr und noch lieber reparierte, hätte wohl etwas zu oft mit dem Postboten und so. Jetzt sei sie schwanger und werde ihn, den kleinen, der gerne grosse Amerikaner Fahrenden, verlassen und beim Pöstler im Dorf im Tal unten einziehen.

Boller musste lächeln während er sich fragte, ob der Nachbar wohl besser etwas mehr an seiner Angetrauten als an Amischlitten rumgeschraubt hätte, als er Fredi rufen hörte. «Schau dir das an Boller! Sogar meine schönen Rosen hat sie ausgerissen.»

Boller war es, als weinte Fredi ganz leise und ihm stieg wieder der Rosenduft in die Nase, den Fredi immer dann so penetrant auftrug, wenn ihn Lust oder Traurigkeit übermannte.

Boller: «Erinnerst du dich an den kleinen Nachbarn mit den grossen Amischlitten? Dessen Frau hat sich doch vom Pöstler ein Kind machen lassen. Was meinst du, was macht der heute?»

Fredi musste nicht lange überlegen. In der rechten Hand hielt er eine Espressotasse, die ihm seine Ex gebracht hatte, elegant zwischen Daumen und Zeigefinger. Den kleinen Finger strecke er wie immer neckisch von sich. «Der repariert immer noch seine Amerikaner. Zudem ist er jetzt in der Gemeindepolitik. Eine rechte Partei hat ihn für den Gemeinderat portiert und», Fredi machte mit dem linken Arm eine ausladende Bewegung über das Land hinweg, «alle Jauche austragenden Bauern, bei denen er sich eingeschleimt hatte, wählten ihn. So habe ich es gehört.»

«Du machst Witze oder? Der konnte doch ausser Auto reparieren kaum richtig schreiben.» Boller überlegte, dann ergänzte er: «Aber du könntest recht haben. Der hat früher immer Leserbriefe in der Regionalzeitung geschrieben. War so ein frustriertes, rechtes Drittes-Schuljahr-Gequassel.» (Anmerkung des Schreiberlings: Heute würde man sagen: Trumpsche Rhetorik oder einfach: Trompeten-blabla)

Jetzt musste auch Fredi lachen. «Der war anfangs in der Autopartei. Was natürlich bei seinem Penisersatz-Hobby kein Wunder ist. Aber», Fredis Augen verklärten sich, «einen Knackarsch hatte der schon.»

Erstaunt schaute Boller zu Fredi. Ungläubig fragte er: «Sag nur, du hättest …?» Er sprach nicht weiter.

«Bei Göttchen nein, mein guter Boller. Damals lebte ich meine nette Neigung ja noch nicht so aus. Ich kannte sie ja noch nicht mal richtig. Was aber nicht heisst, dass ich das nicht noch nachholen werde. Einen Politiker hatte ich noch nie. Und du weisst ja, im 2010 hat in Deutschland der Westerwelle seinen Freund geheiratet, da kann ich doch auch mit einem ländlichen Gemeinderat Spass haben.»

Boller krümmte sich vor Lachen. So gut hatte er sich schon lange nicht mehr amüsiert. Ihm kam es vor, als seien sie beide zu Hause angekommen, auch wenn nur im Geiste. Immer noch lachend meinte er: «Dir geht es wohl weniger um den Knackarsch des Nachbarn, als darum, dass du es noch nie auf dem Rücksitz eines Oldtimer Chevis getrieben hast. Aber ich warne dich, so wie ich diesen Nachbarn in Erinnerung habe, wird das Erste, was er sagt, sein: «Aber bekleckere nicht das Sofa, oder …..»

Boller musste vor lauter Lachen eine Pause einlegen und Fredi fuhr weiter: »……. oder er hat eine ölverschmierte Rosette.»

Mit einem Mal wurde Boller bewusst, wie wenig er und Fredi noch mit dieser Gemeinde, in der sie jahrelang mit ihren Familien lebten, gemein hatten. Was war aus ihnen geworden? Alles hier war bekannt und doch so weit weg.

Alles war real, machte aber den Anschein, in der Zeit stehen geblieben zu sein und gleichzeitig war es irreal. Wie ein Traum. Kein schlechter, aber auch kein wirklich guter. Und doch, Boller war immer noch in Hochstimmung und in dieser Ekstase stellte er sich vor, vielleicht bald wieder hier zu wohnen.

So schnell wie dieser Gedanke gekommen war, verschwand er wieder und explosionsartig meldete sich Skepsis.

Fredi ergriff das Wort, als hätte er seine Gedanken gelesen: «Was soll das Boller? Du kannst nicht mehr hierher zurück. Dein alles Verstehen ist nicht nur für dich, sondern auch für dieses Dorf und deren Bewohner zuviel. Schau dich um! Geniess den Moment, aber dann musst du gehen. Die werden dich nicht wollen und einen Fredi schon gar nicht.»

Wieder lachte Boller: «Ja. Das verstehe ich.»

Sep.
22

Boller und der Blumenstrauss (B&F 1)

Boller und der Blumenstrauss (B&F 1)

Das konnte doch nicht sein, schoss es Fredi durch den Kopf. Warum schaute Boller so, ja fast verständnislos, wie es ihm schien, auf diesen in Teilen verblühten Blumenstrauss?

Boller war in seinem klaren Verstehen von allem und jedem so ausgeprägt, dass es, egal was auf dieser Welt passierte, für Boller nie eine Frage des Nichtverstehens gab. Boller hatte das grosse Verstehen. Boller verstand alles. Ob Amoklauf, Terroranschlag, Kriegsgeschehen oder was auch immer an Schrecklichem oder Gutem auf dieser Welt passierte: Boller verstand den/die Täter, er verstand das Geschehen.

Boller verstand aber immer auch die Gegenseite, die Hinterbliebenen. Er trauerte mit ihnen, konnte ihre Trauer aufnehmen, mittragen und nachvollziehen. Wenn gleich, an die Beerdigung oder an einen Gedenkgottesdienst würde er nie gehen. Zu verlogen erschien ihm jeweils die Trauergemeinde. Aber auch diese Verlogenheit verstand er. Viele Menschen hassen andere. Stirbt dieser, sagen sie, sie hätten einen Freund verloren. Das, so dachte Boller jeweils, das sagen sie nur, weil sie die anderen hassen, solange sie leben. Erst im Tod werden sie zu Freunden, weil sie ja sonst gar keine Freunde hätten. Aber auch das verstand Boller.

Boller schaute immer noch wortlos auf das alternde, vor sich hin welkende Bouquet.

Fredi, der schöne Schwule von vis-a-vis, war eigentlich das Gegenteil zu Boller. Ihn interessierten nur Knackärsche. Am liebsten solche in Uniform, die er von hinten anfassen und dann verführen konnte. Ihn interessierten weder Meinungen noch jegliche Verständnisse für irgendetwas. Was ging es ihn an, wer wen warum umbrachte. Es interessierte ihn nicht. Er wollte nichts mehr als einen Knackarsch zwischen die Hände und unter sein Verlangen kriegen. Alles andere war nichtig und Fredi wusste, Boller verstand auch dies.

Doch nun sass dieser Boller wie versteinert ihm gegenüber am Küchentisch. Seit Jahren waren sie nun schon zusammen unterwegs - seit 9/11 als Boller wegen dem grossen Verstehen seine Familie verlassen musste und er, Fredi, der schöne Schwule, der vis-à-vis von Bollers Haus nicht mehr leben konnte, weil er als Schwuler, der nur auf sein Verlangen nach Liebe und Geborgenheit, nach Lust und Erfüllung bedacht war, in diesem Quartier einfach keine Heimat fand, seither waren sie beide unterwegs.

Zusammen tingelten sie durch die Welt. Mal alleine, mal mit dem Schreiberling, unwissend wo ihr Ziel lag, aber immer wissend, dass Boller einfach alles, wirklich alles verstand und er, Fredi, jedem, wirklich jedem Knackarsch hinterherrennen musste.

«Hey Boller! Was ist los mit dir. So habe ich dich noch nie gesehen. Du wirkst - entschuldige den Ausdruck - du wirkst», Fredi fuhr sich lachend mit der Hand, der kleine Finger wie immer neckisch weggetreckt, geschmeidig durchs Haar, «verständnislos!»

Boller schaute zu Fredi, als wäre dieser ein Geist. Nein, er blickte ihn nicht an. Boller blickte durch ihn hindurch irgendwo in die Ferne, in ein Nichts aus grauen Nebelschwaden und vertrockeneten Blütenblättern. Dann stand er auf, lief hinüber, stellte sich vor den welken Strauss und begann langsam eine welke Blüte nach der anderen vorsichtig hinaus zu zupfen. Sein Gesicht erhellte sich, dann sagte er: «Wie schön die Vergänglichkeit doch auch sein kann. Man muss sie nur verstehen.»

Sep.
22

CC und das Verbot für pornografische Schriften

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Was hat Prügelknabe und FC Sion Präsident Christian Constantin (CC) mit der Aufhebung des Verbots für pornografische Schriften in Dänemark zu tun? Und warum hängen in diesem Cover Stühle? Die Lösung liegt in «Boller & Fredi». Sie sind online.

Am Abend des 22. September 2017 gingen Boller und Fredi online. Ab sofort sind die beiden Ungleichen, aber gleichermassen kaum von der Gesellschaft Akzeptierten, mit ihren Erlebnissen im Blog «Boller & Fredi» online präsent.

Ihre Geburtsstunde erlebten Boller und Fredi kurz nach 9/11. Boller, damals Steuerkommissar, gutbürgerlicher Familienvater und Nachbar von Fredi, dem schönen Schwulen von vis-à-vis, wie er seinen Nachbarn nannte, Boller kriegte das grosse Verstehen und verlor damit seine Meinung und seine Familie. Er ging und Fredi ging mit ihm. Seither sind sie zusammen.

Zu Beginn war «Boller & Fredi» nicht mehr als ein Hirngespinst. Dann ein Geschreibsel für ein paar Wenige, aber es wurden immer mehr. Die Geschichten und Erlebnisse häuften sich und plötzlich waren sie mitten im Leben des Schreiberlings.

Da stellte sich dann die Frage: Wer ist der Schreiberling? Es gab ein grosses Casting. Mit Pet Peterson haben wir einen Mann fürs Grobe gefunden. Er teilt aus und kann auch einstecken (nicht wie Prügelknabe Christian Constantin).

Geboren ist Pet Peterson in Dänemark, also ein Däne. Geht es nach Bernd Kretschmers «Dänemark: eine Nachbarkunde» liegt in den Dänen eine leichte Verachtung gegenüber den Deutschen und sie haben Mitleid mit den Schweden. Wichtiger aber ist, und da liegt auch der Hase im Pfeffer, warum gerade ein Däne für «Boller & Fredi» der Schreiberling geworden ist: Das gesetzliche Verbot für pornografische Schriften wurde in Dänemark schon 1967 endgültig aufgehoben und auch gegenüber homosexuellen Mitmenschen sind die Dänen sehr aufgeschlossen. Mit grossem Vergnügen war Kopenhagen Gastgeberstadt der zweiten Schwulen-Olympiade «World Outgames 2009». Die Dänen gelten aber auch als gemütliche Menschen, die im gemeinsamen Beisammensein ein Ambiente der Freundschaft, Heiterkeit und Zufriedenheit zu schaffen wissen.

Doch jetzt genug von den Dänen und zurück zu «Boller & Fredi». Die beiden wurden kürzlich sozusagen zwangsumgesiedelt. Denn ihnen war klar, wenn sie zu lange zu weit weg vom Schreiberling ihre Un- und Taten treiben, würden sie in Vergessenheit geraten, was unweigerlich ihr Ableben bedeutet hätte.

Zusammen mit dem Schreiberling wünscht die Text ARTelier GmbH nun allen: Viel Lesespass mit «Boller & Fredi».

Im Cover: Hieps Art «Welcome Boller & Fredi» in Nha Trang.

Sep.
21

«Boller & Fredi»: Ein flotter Dreier

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Soll ich oder soll ich nicht?  Diese Frage trieb mich die letzten Tage um. Nach einigem Nachdenken und noch mehr Büchsen Bia Saigon kam ich zum Schluss: Ich soll!

Also werde ich.

Und jetzt, da es Wirklichkeit wird, die Wirkung des Biers verklungen ist, erhebt sich drohend, wie der Zeigefinger des übermächtigen Lehrers, der Bammel, die Angst vor dem vormaligen Mut. Die Angst zu scheitern, keine Leser zu finden steigt in ungeahnte Höhen. Der Rückzieher droht und lullt mich ein, wie der süsslich lähmende Rosenduft eines billigen Parfüms. Bin ich damit schon gescheitert oder drin? Die Frage zieht sich hin, wird länger und länger wie ein Bazooka Kaugummi (wer kennt den noch?), den ich mit zwei Fingern aus meinem Mund ziehe. Aber der Rosenduft, der bleibt.

Damit bin ich drin. Drin im Leben, in der Story von «Boller & Fredi». Doch eigentlich bin ich schon längst drin in deren Dasein und sie in meinem. Aber bis jetzt war dies nur wenigen (gell Sue und B-Willi) bekannt. Es war privat, nichts Öffentliches.

Jetzt folgt die ultimative Homestory: Boller und Fredi sind meine Freunde. Wir leben seit Jahren zusammen - wie ein altes Ehepaar, aber in einem flotten Dreier.

Wer dies nun falsch verstanden haben möchte, liest besser nicht weiter. Es könnte eine Enttäuschung werden. Allen anderen stelle ich die Protagonisten gerne kurz vor.

Da ist Boller: Ein ehemaliger Steuerkommissar. Ihn packte nach 9/11 das grosse Verstehen. Er versteht alles. Ja. Wirklich alles! Daraus ergibt sich sein Problem: Er hat seither keine Meinung mehr und musste Frau und Kinder (eine idyllische Familie) verlassen.

Und dann ist da Fredi: Der schöne Schwule von vis-à-vis, der jedem Knackarsch hinterherrennt. Als Boller (der überhaupt keinen Knackarsch hat, aber sie waren Nachbarn) das grosse Verstehen packte, verstand Fredi dies zwar nicht und er tut dies bis heute nicht, aber seither sind sie - weil beide von der Gesellschaft missverstanden - Brüder im Geiste. Und Fredi liebt Rosenwasser.

Zu guter Letzt ist da der Schreiberling. Es ist ihm bis heute nicht klar, wer wen am Backen hat. Aber seit 9/11 sind die drei zusammen.

Eines gemeinsam haben die drei: das Übermass! Boller beim Verstehen, Fredi bei den Männern und beim Rosenwasser und der Schreiberling beim Bier.

Der Blog kann auch abonniert werden. Auf der Blog-Site «Boller & Fredi» auf «Kategorie abonnieren» klicken, Name und Email angeben und schon fliegen die neusten «Boller & Fredi» Geschichten top aktuell ins Postfach.

Im Cover: Boller & Fredi (ein Ausschnitt) aus dem Wandbild in Nha Trang von Kurt A. Fischli.

Sep.
20

Grundwasser oder: «No problem!»

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«No problem» heisst es immer wieder, wenn ich Fragen zum Hausbau habe. «Kein Problem» erwiderten Hiep und ihr Bruder auch als ich fragte: «Und wie kommen wir auf diesem schönen Stück Land zu unserem Wasser?»

(Die mit dem Handy fotografierte Bilderfolge 'Drilling for water'  zu diesem Text ist zu finden auf pictapas.ch.)

Dann, eine Woche nachdem wir die offizielle Eigentumsüberschreibung vorliegen hatten, treffen wir morgens um halb sieben Hoang, den Wasserfachmann zum Frühstück - natürlich Suppe (Pho Bo). Anschliessend Tee trinken und viel Gerede. Rund hundert Meter tief werde er Bohren müssen, dann hätten wir frisches, klares Wasser.

Es folgen Verhandlungen über den Preis und noch mehr Tee. Wir einigen uns auf einen festgelegten Preis/Meter in die Tiefe, hinzu kommt das Material. Will heissen: Wassertank, Wasserleitung, Grundwasserpumpe und etwas Kleinmaterial. Alles «No Problem!»

Es wird telefoniert, immer wieder telefoniert, dann fahren wir in die nahegelegene Stadt und kaufen ein. Wieder folgen Verhandlungen über Preis und Lieferung und Tee trinken. Mittlerweile steht die Mittagszeit an. Es ist heiss und draussen vor dem Laden wartet ein Fahrer mit Motorrad, der das gesamte Material auf seinen Anhänger lädt.

Nach dem Mittagessen fahren wir zu unserem Stück Land, um die Position des Bohrlochs mit Hoang zu besprechen? Er ist noch nicht da. Wir warten im Schatten und geniessen die Stille am See.

Plötzlich unterbricht ein laut tuckerndes Motorengeräusch diese. Auf der schmalen Naturstrasse, die zu unserem Land führt, knattert ein martialisch anmutender Zweiachser auf uns zu. Ich denke mir, was will denn der in dieser Abgeschiedenheit? Dann sehe ich, es ist Hoang. Er hat das gesamte Material, einen Arbeiter und alles Nötige für die Bohrung bereits mit dabei.

'Handgelenk mal Pi' wird bestimmt, wo das Haus zu stehen kommt und dementsprechend wo gebohrt wird. Ein Metermass hat niemand dabei. Ich gebe mein OK und schon geht’s los. Der mobile Bohrturm wird aufgestellt, die Maschine platziert und ein kleiner See als Ausgleichsbecken geschaufelt.

Wasser und Elektrizität bekommen wir grosszügig von unserem neuen Nachbarn, der gut 200 Meter entfernt wohnt. Mittlerweile ist es ein bisschen so wie auf einer Baustelle in der Schweiz: Auf zwei Arbeitende kommen fünf Zuschauende.

Hoang und sein Mitarbeiter haben auch eine grosse Plane dabei. Damit decken sie den Anhänger des Zweiachsers ab. Dieser ist nun in den nächsten Tagen ihr Zuhause. Ich will ihnen noch eine Kiste Bier offerieren, aber sie winken ab. Unser neuer Nachbar hat sie für heute Abend eingeladen.

Am nächsten Morgen treffen wir um halb sieben auf der Baustelle ein. Wir haben Kaffee für uns, Hoang und seinen Mitarbeiter und Gaben für Buddha dabei, damit Hiep vor dem Baustart für gutes Gelingen bitten kann. Zum Kaffee-Plausch kommen noch mein Nachbar, seine Frau und zwei weitere Personen, die ich nicht kenne. Es wird geredet, der Kaffee geteilt. Anschliessend folgt eine schlichte Zeremonie.

Dann, um acht Uhr ist es soweit. Die Rauch der Räucherstäbchen ist verflogen, die Bohrmaschine knattert los und der Bohrkern beginnt sich zu drehen. Die Grundwasserbohrung am Ho Krong Buk Ha hat begonnen.

Für mich ein tief bewegender Moment, und in mir wächst die Erkenntnis: Ja. Es stimmt: «No problems», denn nur gerade 24 Stunden nachdem ich Hoang das erste Mal gesehen habe, setzt er seine Maschine in Gang.

Anmerkung: Der Titel des vorliegenden Textes hätte eigentlich «Wasser marsch» heissen sollen. Doch dies erinnert mich zu sehr an die vermaledeite Luftschutz-Rekrutenschule, die ich absolvieren musste. Und wer will schon einen derart hoffnungsfreudigen Moment mit negativen Erinnerungen (um es positiv zu sagen) zuschütten?

Im Cover: Blick von unserem Land auf den See.

(Die mit dem Handy fotografierte Bilderfolge 'Drilling for water'  zu diesem Text ist zu finden auf pictapas.ch.)

Sep.
15

Nomen est omen oder: ein Punkt für «arcel»

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Vor ein paar Tagen wollte ich Geld von meinem Schweizer Bankkonto auf das Konto meiner vietnamesischen Bank überweisen. Mit E-Banking kein Problem. Bis dato funktionierte dies auch immer bestens.

Doch einen Tag nachdem ich die Überweisung ausgelöst hatte, rief mich eine nette Stimme aus der vietnamesischen Bank an und sagte: Sie könne das Geld, das auf mein Konto überwiesen worden sei, leider nicht gutschreiben.

Ich fragte erstaunt: «Wieso?»

Die nette Stimme: «Auf der Überweisung steht Peter M. Jenni. Einen Peter M. Jenni haben wir nicht als Kontoinhaber. Das genannte Konto ist auf Peter Marcel Jenni registriert, so wie es in ihrem Pass steht.»

«Ja klar», sagte ich. «Ich bin Peter Marcel Jenni. Peter M. steht für Peter Marcel. Wo, bitte schön, liegt das Problem?»

Die nette Stimme: «Einen Peter M. Jenni gibt es nicht bei uns. Ich kann das Geld ihrem Konto nicht gutschreiben.»

Ich leicht genervt: «Wieso?»

Die Stimme immer noch nett: «Habe ich Ihnen doch gerade erklärt. Peter M Punkt», wobei sie das Wort Punkt ziemlich stark betonte, «gibt es nicht.»

Ich versuchte ihr zu klar zu machen, dass der Punkt für «arcel» stehen würde und ich definitiv der Peter M. also Peter Marcel sei.

Doch die nette Stimme liess nicht locker. Sie könne das Geld nicht gutschreiben. Ich müsste vorbeikommen, dann würde sie mir das erklären.

Erklären? Nun verliess mich die ach so angestrebte Gelassenheit mal wieder. Ich genervt: «Ich komm vorbei!»

Am nächsten Tag auf der Bank.

Das Gespräch mit der netten Stimme verlief wie das Telefonat am Vortag. Sie lächelte und erklärte, dass ein Peter M. nicht ein Peter Marcel sei. Ich akzeptierte nicht. Es ging hin und her bis ich sagte: «Was wollen wir nun tun? Sie akzeptieren die Überweisung nicht. Also gehe ich jetzt nach Hause und mache die Überweisung per E-Banking ein zweites Mal auf den Namen Peter Marcel Jenni und sie stornieren die erste Überweisung. OK?»

Jetzt wurden ihre Augen gross und schauten mich erstaunt an. Doch schnell fand sie ihr Lächeln wieder und fragte: «Sie haben sich das Geld überwiesen?»

Ich: «Ja klar.»

Sie: «Dann spreche ich mit meinem Boss.»

Ziemlich schnell kam sie aus dem Büro von nebenan zurück und sagte, wie wenn nichts gewesen wäre: «Ist alles Ok. Wir können das Geld gutschreiben.»

Es folgte ein letztes Lächeln und sie entschwand.

Sep.
11

Es gibt Bilder, ...

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Es gibt Motive, die hätte ich besser nie fotografiert (siehe Cover). Diese Bilder kleben dann nutzlos in meinem digitalen Archiv, belegen nur Speicherplatz, springen mich aber trotzdem immer wieder an. Etwas dazu sagen oder schreiben möchte oder kann ich nicht.

Eines dieser Bilder ist ein Selfie – oh ich mag und versteh diese Selfie-Manie überhaupt nicht. Doch ab und an kann es aus dokumentarischen Zwecken durchaus sinnvoll sein, ein Selfie zu schiessen – und deshalb wird es auch nicht gelöscht.

Kaum konnte ich nach der Krebsoperation einigermassen vernünftig aufstehen und mein Handy in den Händen halten, schoss ich eben dieses Selfie, das ich besser nie gemacht hätte. Ich sehe darauf sowas von Scheisse aus: krank, schwach, bleich, kurz: wie das Leiden Christi. Doch löschen kann ich’s auch nicht.

So schaut mich dieser marode Typ immer mal wieder doof an: Blauweisser Krankenhaus-Schlafanzug, von der Sorte, die den Arsch hinten sichtbar lassen, Schlauch in der Nase, Augen belämmert, Mund halb geöffnet - ganz so, als wäre er nicht ich.

Es gibt aber auch andere Bilder, die ich nie hätte machen sollen. Zumindest denke ich heute so. Nie ist ein starkes Wort und wer weiss, vielleicht fällt mir auch zum Coverbild einmal noch etwas Vernünftiges ein. Derzeit gehört es in die Galerie der Bilder, die nie hätten gemacht werden sollen. Denn was soll ich dazu schreiben. Ausser?

Und jetzt noch mal von vorne!

Sep.
11

E-Voting: Praktisch und simpel

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Heute hatte ich die Abstimmungsunterlagen erhalten und damit das erste Mal die Möglichkeit, per E-Voting abzustimmen. Und ich muss sagen, es hat Spass gemacht. Das Prozedere war simpel, praktisch und es ging ganz fix. Bleibt zu hoffen, dass sich E-Voting weiter ausbreitet. Denn gerade für uns im Ausland Lebende ist die Abstimmung auf dem postalischen Weg manchmal ungewiss, da es zeitlich einfach nicht hinkommt.

 

Sep.
09

«Sie gehen mir sowas von auf den Sack!»

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Ein Gespräch.

Ich blicke genervt auf mein Gegenüber und sage: «Sie begegnen mir immer wieder! Sie sind frech, unanständig und manchmal vorlaut! Sie treten da auf, wo sie nicht hingehören und tun so, also ob Sie dazugehören würden! Dabei sind Sie Aussenseiter, fehlerbehaftet, schlecht. Ja einfach nur schlecht! Sie machen keinen guten Eindruck!»

Pause.

Ich, schon ziemlich enerviert: «Egal was ich mache, Sie verstecken sich meisterhaft. Sie sind anrüchig, deftig, nicht salonfähig, anzüglich ……»

Pause, dann weiter: «…… doppeldeutig, frivol, fast schon pornografisch, schamlos und schmutzig, schockierend und verdorben! Was soll ich noch sagen?»

Wieder Pause. Immer noch ich, die Stimme nun bedrohlich: «Sie sind lasziv, obszön, dreckig, nicht stubenrein und können sogar schlüpfrig daherkommen. Sie sind zotig, ordinär, vulgär und Sie sind schweinisch! Sie gehen mir sowas von auf den Sack!»

Stille.

Dann - nach einer ellenlangen Pause - erwidert das Gegenüber eingeschüchtert, geknickt und leise: «Aber wir sind wichtig. Wichtig, weil wir die Entdecker stolz machen, uns gefunden zu haben.»

Ich: «Ich war noch nie stolz auf meine Druckfehler! Ich schäme mich für euch!»

Sep.
09

Nachdenklich oder: Land in Sicht, die Dritte

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Warum wir von Nha Trang wegziehen? Es ist doch herrlich und lebenswert hier! Das Wetter, der Strand, das Meer, die netten Nachbarn, die vielen guten Essens- und Ausgehmöglichkeiten! Herz, was willst du mehr? Es ist die Entwicklung, die die Stadt durchmacht, die uns nicht zusagt, nachdenklich stimmt.

Ein paar Beispiele gefällig?

Beim Aussichtspunkt Hon Chong, einer kleinen Halbinsel, auf der sich ein Gigant in eine Fee verliebt haben soll, quetschen sich heute schon die Cars Rad an Rad, die Touristen stehen sich auf den Füssen rum und beklagen auf Tripadvisor, dass sie vor lauter Touris den Abdruck des Giganten gar nicht hätten sehen können. Aber was solls?

Es werden weiter Hotels gebaut und mit Billigreisegruppen aus China und Russland abgefüllt. Die Restaurants an der Strandpromenade überleben mit und in der Masse. Die anderen, die leicht abseits liegen, kämpfen mit steigenden Mieten. So hat uns die Inhaberin eines einfachen Speiselokals, wo wir gerne essen gehen, gesagt, sie müssten in einem Monat schliessen. Die Miete sei schon wieder erhöht worden, jetzt könnten sie nicht mehr bezahlen.

Dass das so abwegig nicht ist, demonstriert unsere Vermieterin. Als wir ihr sagten, wir würden den Vertrag Ende Januar nicht mehr verlängern, lachte sie und meinte: Sie hätte eh mit dem Mietpreis hochgehen müssen. Sie werde das Haus nun für zehn Millionen im Monat vermieten. Wir haben noch acht bezahlt. Das sind satte 25 Prozent Steigerung in einem Jahr! Und das ohne die geringste Investition in die Immobilie.

Auf meinen Biketouren ausserhalb Nha Trangs sehe ich jeweils die vielen riesig grossen Grundstücke, die zum Verkauf stehen und deren Überbauung derzeit anläuft (siehe Bild).

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Ab und an steht schon Mal ein neues, schmales Haus in dieser (noch) Wüste aus Dreck und Staub. Und schaut man die Überbauungspläne an, dann sehen diese vielfach gleich aus: 70 bis 80 Quadratmeter Fläche pro Grundstück. Dieses wird dann auf der gesamten Fläche überbaut; drei, vier Stockwerke hoch.

Ich weiss nicht, wer das Wachstum von Nha Trang plant. Aber was ich an Hotels und Häusern sehe, die sich im Bau befinden oder Grundstücken, die zum Verkauf und Überbauen ausgeschrieben sind, stimmt mich nachdenklich. Denn die Kapazität der Strassen in der City, die Strandpromenade und dergleichen, können nicht einfach vergrössert werden.

Wo soll dieser Verkehr zukünftig hin, wenn teilweise heute schon die Cars mit den an- und abreisenden Gästen die Strandpromenade fast komplett stilllegen. Saigon lässt grüssen.

Doch zurück zu den Grundstücken. Ich habe mich im Verlauf der letzten Wochen mit einigen Verkäufern getroffen, Grundstücke besichtigt und Preise erfragt. Der Preisvergleich ist frappant: In Nha Trang bezahle ich für 80 Quadratmeter, rund zwei Kilometer vom Meer entfernt, im Landesinnern, gleich viel wie in Dak Lak für 1500 Quadratmeter mit Seeanstoss.

Ok. In Dak Lak habe ich kein Meer. Aber ich habe auch kaum chinesische und russische Billig-Touri-Gruppen, die der Meinung sind, 40 Rappen für eine Flasche Saigon Bier sei zu teuer.

Doch es sind nicht die Billig-Touristen, die den Ausschlag gaben. Es ist das Ländliche, das Idyll, das mich in Dak Lak in seinen Bann gezogen hat.

Sollte der Eindruck entstanden sein, ich würde die Entwicklung Nha Trangs verurteilen, so wäre dieser völlig falsch. Ich bin, wäre der erste, der Land am Meer kaufen würde, wenn er Zukunft und Profit darin sehen würde. Ich habe auch derartige Parzellen angeschaut. Unter anderem eine idyllische in einer Bucht, aber eine halbe Stunde von jeglich vernünftiger Zivilisation entfernt. Der Preis? Ein Mehrfaches teurer als der Quadratmeter im Hinterland von Nha Trang.

Doch neben den derzeitigen Preis- und Entwicklungen von und in Nha Trang lastet auch der Klimawandel stark auf Vietnams Küstenregionen. Schon ganze Strände sind verschwunden. Was also erwartet die Besitzer von Strandgrundstücken? Ich weiss es nicht! Aber ich habe kein gutes Gefühl. Deshalb ziehen wir nach Dak Lak.

Im Cover: Zeigen, was man hat: Villa am Stadtrand von Nha Trang.

Sep.
07

Predigt in Saigon oder: Wachsam sein?

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Kürzlich war ich drüben in der katholischen Kirche (siehe Cover).

Der Pfarrer kam geschwind in seiner schwarzen Soutane mit dem Kollar und wollte ein neues Mitglied in der Gemeinde begrüssen. Er war sehr nett, lächelte überfreundlich und schüttelte mir die Hand während er «Welcome» sagte. Es folgten viele Worte, die ich nicht verstand.

Als er endlich verstummte fragte ich ihn, ob er das nächste Mal bei der Predigt die Soundanlage nicht etwas lauter stellen könne. Dann würde er auch im gut 400 Kilometer entfernten Saigon gehört.

Leider verstand er kein Englisch und ich zog genickt und etwas deprimiert von dannen.

Nach der Kirche ging’s direkt ins Internet. Ich wollte googeln, was der Pfarrer mir hätte sagen können. Doch ich fand nichts, das passen könnte. Aber ich stiess auf «Wach sein».

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg (D) schreibt: «In den wenigen Sätzen des heutigen Evangeliums kommt ein Wort viermal vor: „wach“. „Bleibt wach!“, sagt der Herr und: „seid wachsam!“ So heisst es dreimal und dann dasselbe nochmals mit anderen Worten: „Lasst euch nicht schlafend antreffen!“ (Mk 13, 33.34.35.36.37).»

Wohl deshalb wecken mich die Katholiken jeden Sonntagmorgen um vier Uhr mit ihrem Gebimmel. Dass ich Atheist bin spielt in deren Wach-Geschichte keine Rolle.

Apropos wachsam: Etwas sarkastisch betrachtet sollten auch Verbrecher, von der Polizei Gesuchte und Terroristen «wachsam» sein.

Sep.
06

Als wäre eine Bombe explodiert

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Kürzlich beim Frühsport: Nach der frühmorgendlichen Bike-Runde malträtiere ich meinen Bauch mit Sit-ups am Strand, da kommt die Sonne hoch. Es sieht aus, als wäre am Horizont eben eine Bombe explodiert.

Ich erschrecke. Schlagartig wird mir bewusst, wie nah Nord- und Südkorea doch sind, es sind nicht ganz dreieinhalbtausend Kilometer, und wie mir Trumps Kriegs- und Macht-Rednergehabe (um nicht das Wort Rhetorik zu benutzen, das mehrheitlich positiv belegt ist) auf den Sack geht.

Nach den Sit-ups - übrigens immer ein Muss! Aber wer Bier trinkt, der muss eben was tun, wenn er nicht allzu bierbauchig die Welt erkunden will – also nach den Sit-ups und nach ein paar Minuten der stillen Einkehr gehe ich Schwimmen.

Das Meer ist wohlig warm, herrlich ruhig, samtig weich. Negative Gedanken, Sorgen und Ängste paddeln einfach davon, entschwinden im weiten, blauen Nichts des Südchinesischen Meeres.

Und was bleibt, wenn ich aus dem Wasser steige? Es ist die Gewissheit, jeden Tag so zu geniessen als wäre es der letzte.

Sep.
05

Hui! Die Geister kommen

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Heute gehen die Geister um. Wir sind im siebten Monat des Mondkalenders. Die Vietnamesen feiern das Geisterfest Tet Trung Nguyen.

Sie glauben, dass die Geister der Toten in dieser Zeit aus der Unterwelt aufsteigen, um im Reich der Lebenden nach dem Rechten zu sehen. Um die Geister der Toten gebührend zu empfangen, bereiten die Menschen für ihre Vorfahren rituelle Speisen vor, verbrennen Votivgeld (im Cover Hiep) und zünden Laternen an. Denn sind die Vorfahren nicht zufrieden, können sie der Familie Unglück bringen.

So hat Hiep auch bei uns ein Tisch voller leckerer Sachen (siehe unten) zubereitet. Jetzt können die Geister kommen und sich laben. Man beachte unten rechts: Für meinen verstorbenen Vater haben wir, damit er nicht nur Tee trinken muss, auch ein Glas Wein hingestellt.

Die Verehrung der Toten und die Erinnerung an die Vorfahren ist zentraler Bestandteil der vietnamesischen Kultur.

Und das Beste kommt zum Schluss. Was die Geister übrig lassen wird gegessen.

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Auch mein Buddha kriegte was Feines.

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Sep.
05

Land in Sicht, die Zweite oder: Fremde Kultur, grosse Irrtümer

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Hinter mir liegt eine Zeit gefüllt mit Warten, Tee trinken, Unsicherheiten, Missverständnissen und Irrtümern. Mehr als einmal dachte ich, das war’s! Aber es ging weiter. Aus zwei Tagen wurden drei, dann vier, fünf und am Ende waren es sieben! Doch alles der Reihe nach.

Angefangen hat alles mit einem See, dem Ho Krong Buk Ha. Der sechsarmige Stausee in der Provinz Dak Lak umfasst eine Fläche 452 km², sichert die Wasserversorgung für 11'800 ha Anbaufläche und die Brauchwasserversorgung für 72'000 Personen und ist in der Regenzeit Teil des Hochwasserschutzes. Das Ufer ist noch kaum besiedelt.

Hieps Brüder betreiben auf dem See eine schwimmende Fischfarm (https://www.textartelier.ch/index.php/text-artelier-medienbuero/blog_werkstatt-2/entry/970-zum-t%C3%A9t-abschluss-4-tag-familienessen-auf-dem-see). Als ich zu Beginn dieses Jahres den See mit seiner urwüchsigen Landschaft das erste Mal sah, gab’s eigentlich nur einen Gedanken: Hier zu wohnen, an diesem Wasser, in dieser Natur, das muss fantastisch sein.

Dann, vor zwei Monaten, wie aus heiterem Himmel, bekamen wir die Nachricht, dass am See ein Haus mit Land zu kaufen sei. Also nichts wie hin: Gut dreieinhalb Stunden Fahrt, dann eine Motocross ähnliche Piste bis zum Ufer runter, anschliessend mit dem Boot zum Haus.

Doch die Liegenschaft kam für mich nicht infrage. Zu alt das Haus, zu viel Dreck drum rum. Wir hätten alles abreissen und neu aufbauen müssen. Dieser Aufwand schien mir zu gross. Doch nun war ein Gedanke geboren, der mich Tag und Nacht umgarnte: Wieso an diesem See nicht ein Stück Land kaufen und selber ein Haus bauen? Also fragte ich Hieps Bruder. Der lachte freudig und meinte, das sollte möglich sein.

Wieder Zuhause in Nha Trang wurden erste Pläne geschmiedet, Recherchen angestellt, Erkundigungen eingezogen und schon bald kam das Telefon, wir könnten Land, ganz in der Nähe des alten Hauses kaufen. Also wieder dreieinhalbstunden Fahrt, anschliessend Motocrosspiste und da lag es vor uns: Mir blieb die Spucke weg. Dumm nur, dass der Verkäufer des Landes gar nicht belegen konnte, dass das Land auch wirklich ihm gehört. Er hat keinen Grundbucheintrag. So konnten wir nicht kaufen und fuhren enttäuscht zurück.

Kurz darauf wieder ein Angebot. Also wieder dreieinhalb Stunden Fahrt, aber diesmal nur eine ganz kurze Motocrosspiste hin zum Land. Vor uns lagen 1500 Quadratmeter üppig bepflanztes Land mit Seeanstoss, bebaubar, mit Grundbucheintrag. Nach kurzer Überlegung und Rücksprachen mit Hieps Familie, die mich in dieser und anderen Angelegenheiten immer wieder berät, sagten wir zu.

Was nun begann war ein Marathon des Wartens und Redens. Die Verhandlungen mit dem Verkäufer führte Hieps Bruder. Als wir uns nach rund einem Tag endlich über den Preis einig waren, kamen die Vertrags und Übergabemodalitäten auf den Tisch. Immer wieder wurde Tee aufgetragen, die Verhandlung unterbrochen, weil einer der Verhandlungspartner den Raum verliess. Warum? Das konnte mir  so richtig niemand sagen. Ab und an wurde es laut, andere Männer kamen hinzu und mischten sich ein. Auch die Frauen, Hiep und die Mutter des Verkäufers liessen sich nicht lumpen und diskutierten und verhandelten eifrig mit. Ich dachte mehrfach: So wie die miteinander streiten wird das wohl nichts. Aber Hiep beschwichtigte mich immer wieder. Es gäbe keine Probleme. Nun ja, dachte ich. Fremde Kultur eben.

Am zweiten Tag schien alles klar. Anzahlung konnte geleistet werden. Doch als ich am dritten Tag millionenschwer von der Bank kam, winkte Hieps Bruder ab. Wir würden noch nicht bezahlen, zuerst müsse der Verkäufer eine Kopie des Grundbuchauszuges vorlegen. Also warten.

Doch bis am Abend, so wie versprochen, lag diese nicht vor. Ich wechselte das Hotel. Von der einfachen vietnamesischen Unterkunft (Khach San) machten wir einen upgrade, damit ich das Geld in einem Hoteltresor deponieren konnte.  Am nächsten Tag, Tag vier, wieder Warten. Zum Glück hatte das Hotel in Buon Ma Thuot einen Swimmingpool, so war die Warterei erträglicher als in einem dieser simplen vietnamesischen Hotels, die vielfach nicht wirklich sauber sind, nur fensterlose Zimmer haben oder morgens um 5 Uhr der Lautsprecher Frühgymnastikübungen ins Zimmer trällert.

Tag fünf. Warten. Hieps Familie lud zur Party auf der schwimmenden Fischfarm. Dann endlich. Tag sechs. Das Schriftstück liegt vor und so ging’s zum Notar. Dort war vor allem wieder Warten angesagt. Zuerst verspätete sich Hieps Bruder. Als dieser endlich kam war der Verkäufer verschwunden. Wir tranken Tee und warteten. Irgendwie fanden dann doch alle zusammen und die Notariatsangestellte referierte und gestikulierte, so dass ich mich fragte, kann das noch gut kommen?

Ich kam mir vor wie in einem Bauernschwank, bei dem die rundliche Notariatsangestellte den Männern die Leviten liest und zwar richtig. Hiep, die die schwere Aufgabe hatte, mir immer mal wieder zu übersetzen, lachte und meinte, wie auch schon bei den Verhandlungen zuvor: «Kein Problem. Da ist nichts, was uns beunruhigen sollte.»

Angesichts der Tonalität und der Gestik hatte ich aber einen anderen Eindruck. Irgendwo im Raum stand auch noch ein Mann in Uniform. Die ganze Situation machte mich irgendwie nervös. Dann stand der Verkäufer abrupt auf und telefonierte lauthals.

Hiep nutzte die Pause um mich aufzuklären. In Vietnam sei das Recht so, dass wenn ein Landbesitzer volljährige Söhne habe, diese dem Verkauf zustimmen müssten. Dies hätte die Notariatsangestellte dargelegt, jetzt telefoniere der Verkäufer mit seinem Sohn in Saigon. Bis dessen Einverständnis nicht schriftlich und notariell beglaubigt vorliege, sollen wir keine Anzahlung leisten.

Ich war erleichtert und musste einmal mehr feststellen, wie man sich in Gestik, Mimik und Tonfall irren kann, wenn man in einer fremden Kultur lebt.

Anschliessend wurde Geld und Vertrag im Notariat sicher verwahrt – so hoffte ich doch – und mit nur einer Quittung im Sack fuhren wir am Tag sieben wieder dreieinhalb Stunden nach Hause.

Mittlerweile ist alles geklärt und erledigt. Ende Januar 2017 sollte das neue Haus stehen und für unsere Freunde und Gäste planen wir einen kleinen Bungalow mit Bad, und Terrasse zum See hin.

Coverbild: Hiep begutachtet das Land. Im Hintergrund zu sehen: Die Fischfarm und die 2 Kilometer lange Staumauer.

Aug.
22

Schreiben gegen die Aufgeregtheit oder: Wenn der Teufel existiert …..!

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Ach! Könnte ich doch nur auch so gelassen sein!

Ich versuche es immer wieder und im vietnamesischen Verkehr schaffe ich Gelassenheit mittlerweile zu sagen wir mal fast 100 Prozent. Aber wenn die Katholiken sonntagmorgens um vier loslegen, dann schwinden meine Gelassenheitsbemühungen, wie das Eis an der Sonne.

Dann muss ich schreiben. Meine Aufregung zu Papier bringen und das klingt dann so:

Wenn der Teufel existiert, was ich als Atheist bezweifle, also wenn der Teufel wirklich existiert, so kann er meines Erachtens nur Katholik sein.

Warum ich auf diese Schlussfolgerung komme?

Sicher nicht, weil die Katholiken den Teufel verteufeln.

Was ich sagen will: Wer anders als der Teufel terrorisiert ein ganzes Quartier morgens um 4 mit geschäppertem Kirchengeläut und billigen Ave-Maria-Gesängen? Alles ab Konserve. Und die lottrigen Grosslautsprecher überschlagen sich in ihrer Lautstärke, wie ein olympischer Bodenturner in seinen besten Jahren.

Das kann nur der Teufel sein! Derart rücksichtslos kann doch der Glaube nicht sein!

Klar, das Missionarische. Aber deswegen muss Katholik ja nicht laut sein.

Also für mich gilt:

  • Erstens: Wenn es einen Teufel gibt, dann ist er Katholik.
  • Und zweitens: Nur der gehende Katholik ist ein guter Katholik. Denn wenn die Katholiken wieder gehen, können wir schlafen.

Die Vietnamesen nehmen diese Störung mit einer Gelassenheit, die wohl in der buddhistischen Erziehung begründet liegt und seinesgleichen sucht.

Wenn ich meine Nachbarn darauf anspreche, zucken sie die Schultern, so als wollten sie sagen: «Ist halt so.»

Dieser Gleichmut geht mir ab, den will ich mir aneignen. Bis es soweit ist, schreibe ich gegen meine Aufgeregtheit an. Und das tut gut! Und stört niemanden beim Schlafen.

Coverbild: Aufgeregtes Gewölk über Nha Trang.

Aug.
17

Was ich vermisse? Ein Rücken!

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Immer wieder werde ich gefragt, was ich denn nun als Schweizer in Vietnam vermisse.

Ich sitze dann jeweils da, schaue dumm aus der Wäsche und weiss nicht, was ich antworten soll.

Was vermisse ich denn?

Langes Studieren. Und nichts kommt mir in den Sinn.

Es gibt so viel, was ich in der Schweiz hatte, das ich hier nicht habe. Aber es fehlt nicht. Ich vermisse es nicht.

Ich stelle fest, wie nichtig all dies Materielle und Geordnete geworden ist.

Hier regiert das Lachen, das Chaos, das «Irgendwie geht’s dann schon». Zeit ist vorhanden und eine ganz spezielle Art des gegenseitigen Akzeptierens.

Klingt irgendwie verquer, ist aber so. Und immer noch, weiss ich nicht, was ich vermisse.

Doch dann, so gegen den Herbst hin, kommt es mir in den Sinn: Es ist ein Rücken. Der Rehrücken oder besser: Das alljährliche Wildessen mit Freunden.

Coverbild: Bewegung in der Natur. Draussen sein und und nicht alles so ernst nehmen. Gelassenheit. Viel mehr braucht es nicht!

Aug.
07

«Das Werkstück» im Exit-Magazin

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Die Vereinigung für humanitäres Sterben deutsche Schweiz gibt vier Mal jährlich das Magazin «Exit Info» heraus. In die Ausgabe 2.17, die soeben erschienen ist, hat auch «Das (von mir verfasste) Werkstück» seinen Platz gefunden.

Exit Info 2.17: Artikel downloaden

Aug.
05

So was von peinlich: Total verschwitzt im Flugzeug

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Es gibt Menschen, die schwitzen im Flugzeug. Vor Angst. Zu denen gehöre ich nicht. Ich fliege gerne. Trotzdem: Am 4. August sass ich bachnass, nein noch nässer auf dem Economy-Sitz 12D und flog von Saigon (Ho Chi Minh City) nach Nha Trang. Schuld war mein Gepäck. Irgendwie. Oder die Swiss.

Gepäckgeschichten habe ich nun wirklich schon genug erlebt. (siehe «Gepäck und Medikamente seit zwei Tagen verschwunden»)
Aber die nächste Gepäckmisere folgt sogleich. Dabei hatte alles so gut begonnen.

Mein Heimflug von Zürich nach Nha Trang konnte ich als Spätbucher günstig kriegen und so gab’s, wie sonst auch auf Langstrecken, Business-Class. Also einchecken mit Vorteilen.

«Herr Jenni. Wir schicken ihr Gepäck direkt nach Nha Trang. Sie brauchen sich um nichts zu kümmern und können den Koffer in Nha Trang abholen.»

«Sind sie sicher?», fragte ich erstaunt. Bis anhin musste ich, auch als Business-Passagier, mein Gepäck in Saigon selber über den Zoll schaffen und dann nochmals einchecken.

«Klar bin ich sicher. Schauen sie hier.» Sie zeigte mir den Gepäckschein. Darauf vermerkt (siehe Cover): Frankfurt, Saigon, Cam Ranh (das ist unser Flughafen, 40 Kilometer vor Nha Trang).

«Sehen sie. Endstation ist Cam Ranh. Dort können sie ihr Gepäck abholen.»

Klar. Das sah ich. Aber bis anhin war das nicht möglich. Also fragte ich nochmals: «Ist das neu?»

«Weiss ich nicht. Aber hier steht es.»

Schön, dachte ich mir. In Saigon ist es zu dieser Jahreszeit eh drückend heiss. Da bin ich doch dankbar, wenn ich das Gepäck nicht die rund 200 Meter in der glühenden Hitze vom internationalen zum nationalen Terminal schleppen muss.

Mit einem Lächeln gab sie mir die Bordkarten.

«Und das Gepäck kommt wirklich direkt nach Nha Trang?», fragte ich immer noch ungläubig.

Ihr Lächeln verzog sich zu einem genervten Grinsen. «Wenn ich’s doch sage!»

«Vielen Dank», sagte ich, lächelte dankbar zurück und verschwand.

In Saigon hatte ich gut sechs Stunden Aufenthalt. Als Business-Passagier nicht wirklich eine Tortur. Ab in die Lounge. Kaffee, Büffet, Bier und etwas schreiben. So lässt sich im gemütlich weichen Sessel die Zeit vertreiben.

Fast wäre ich kurz vor 14 Uhr eingeschlafen, eingenickt war ich schon, als der Aufruf kam, dass ich mich sofort zum Gate aufmachen sollte. Also nichts wie hin. Der Flug geht in 20 Minuten. Da muss ich mich beeilen. Auch für Business-Reisende wird das Gate 15 Minuten vor Abflug geschlossen.

«Hello Mr. Jenni. Please wait here!», sagte ein netter junger Mann, als ich die Kontrolle vor der Einstieg passieren wollte. Dann telefonierte er. Er telefonierte nochmals. Schaute mich an und telefonierte ein drittes Mal. «Ihr Gepäck steht im internationalen Terminal zum Abholen bereit.»

«Hä! Was? Wieso?» Nervosität stieg auf. Nicht schon wieder. Schnell kam ich mit meinem Englisch an den Anschlag und so blieben Kraftwörter aus.

«Wir dürfen ihr Gepäck nicht über den Zoll bringen. Sie müssen zurück zum internationalen Terminal und ihr Gepäck abholen.»

«Aber .... aber mein Flug? Der geht in …..», ich schaute auf's Handy, «…… in 15 Minuten. Das schaff ich nicht.»

«Wenn sie sich beeilen, kriegen sie den nächsten Flug, 20 Minuten später», sagte er ruhig und meinte dann, er würde mich sofort aus dem Sicherheitsbereich schleusen.»

Jetzt ging das Rennen los. Zurück zur Sicherheits- und Passkontrolle. Nach einigem Palaver liessen sie uns durch. Dann hinunter zu den Schaltern in der heillos überfüllten Abflughalle. Der junge Mann von Vietnam Airlines vorne weg, ich mit Handgepäck und in Badeschlatschen hinterher keuchend.

Wieder Palaver. Endlos quatschte er auf vietnamesisch mit einer Dame am Check-in. «Business gibt es auf diesem Flug nicht mehr. Aber Economy hätte ich och einen Sitz für sie. Ist das OK?»

Klar war das OK. Ich wollte nach fast 24 Stunden in Fluggeräten und Flughäfen einfach nur noch nach Hause. Zudem wartete ein Chauffeur, den ich telefonisch nicht erreichen konnte, am Airport in Nha Trang auf mich.

«Sie müssen sich aber beeilen, damit sie diesen Flug kriegen.»

Also spurte ich los. 30 Grad im Schatten oder etwas mehr. Vor Kurzem ging ein gewaltiger Regenschauer nieder. Luftfeuchtigkeit gefühlte 150 Prozent.

Ich war schon des Öftern im Flughafen Saigon. Kannte mich aus. Deshalb weiss ich auch: Der Inlandterminal ist fast immer überfüllt und die internationale Ankunftshalle, das Ziel meines ersten Sprints, immer verstopft mit auf Ankommende Wartenden.

Es wurden 200 Meter Spiessrutenlaufen im Freien. Mein Handtrolly flog hinter mir her. Slalom. Rennen um Koffer, Kinder und was sonst noch so kreucht und fleucht zwischen zwei Terminals. Dann die Frage: Wie komme ich in vernünftiger Geschwindigigkeit durch das Gedränge vor der Ankunftshalle? Nun, alles hat seine guten Seiten. Dank meiner letzten Gepäckmisere in Saigon kannte ich Weg und Prozedere.

In aller Ruhe notierte der Polizist meine Daten aus Pass und Gepäckschein, dann liess er mich passieren.

Grossen Koffer geschnappt, kurz eine Unterschrift gegeben und nichts wie hinaus in die Hitze. Es lagen noch 200 Sprintmeter vor mir. Bach nass war ich schon, aber nochmals volle Kanne und los. Der Sprint zurück mit zwei Koffern war noch gefährlicher als der erste. Doch glücklicherweise überrannte ich mit meinem Übergewicht (also beim Gepäck) keinen doof in der Welt herumguckenden Flugpassagier.

Zurück im Domestic-Terminal nochmals Gepäck einchecken, Pass- und Sicherheitskontrolle. Business sei Dank, hier gibt es Spezialzugänge, an langen Schlangen von Wartenden vorbei.

Das Gate für meinen Flug war schon geschlossen als ich schweissüberströmt ankam. Zum Glück erkannten mich die Mitarbeiter von Vietnam Airlines und liessen mich noch einsteigen.

Jeans und Hemd völlig nassgeschwitzt. Der Schweiss tropfte von Nase und Ohren. Bachnass. Nein. Noch nässer liess ich mich in den Sitz fallen und fragte mich, was mein Sitznachbar jetzt wohl denkt. Ein mitleidiger Blick war alles, was ich als Antwort auf mein nach Luft ringend, keuchend hingestammeltes «Hello» erhielt. Er wandte sich grusslos ab und rutschte etwas zur Seite. Dann ging’s nach Hause.

Juli
05

Die Türme von Hanoi, der Weltuntergang und ein Schwabe

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Heute geht die Reise in den Norden, in die Hauptstadt Vietnams, nach Hanoi. Ich gehe den Fragen nach: Wo stehen die Türme von Hanoi? Wann geht die Welt unter? Und was sagt der Schwabe dazu?

Mathematiker, Knobelspieler und Computerfreaks kennen sie, die «Türme von Hanoi». Vietnamreisende, wenn sie nicht zufällig auch zu einer der erstgenannten Gruppen gehören, eher weniger. Die «Türme von Hanoi» kann man zwar spielen, aber in Hanoi sind sie nicht. Ich zumindest habe sie nicht gefunden; meine Freunde in Hanoi wissen nicht, wo sie sind, und ich habe keine wirklich schlüssige Erklärung gefunden, warum sie «Türme von Hanoi» heissen.

Sie sind auch bekannt unter dem Namen Lucas-Türme (engl. Lucas Tower). Dies weil das Spiel vermutlich 1883 von Eduard Lucas, einem französischen Mathematiker erfunden wurde. Es heisst, er hätte sich dazu eine Geschichte ausgedacht und die geht so: Im grossen Tempel zu Benares, unter dem Dom, der die Mitte der Welt markiert, müssen indische Mönche einen Turm aus 64 goldenen Scheiben versetzen, und wenn sie damit fertig sind, ist das Ende der Welt gekommen.

Folgende Bedingungen müssen von den Mönchen eingehalten werden:

  1. Es sind drei Türme.
  2. Sie können nur eine Scheibe pro Zug verschieben.
  3. Eine grössere Scheibe darf nie auf einer kleineren Scheibe liegen.

Hier kann das Spiel gespielt werden: http://migano.de/hanoi.php. Es lohnt sich.

Spannend an der Legende: Wenn die Mönche jede Sekunde einen Stein verschieben, dann geht die Welt in 585 Milliarden Jahren unter. Bedenkt man, dass das Universum schätzungsweise 15 Milliarden Jahre und unsere Sonne sogar «nur» 5 Milliarden Jahre alt ist, brauche ich mir – zumindest in dieser Hinsicht – keine Sorgen zu machen. Es bleibt noch Zeit. So kann ich die Frage, woher die Türme ihren Namen haben, vielleicht doch noch klären.

Klar für mich ist, diese schrittweise Verjüngung nach oben erinnert an asiatische Tempeltürme. Pagoden. Eine Pagode ist ein markantes, mehrgeschossiges, turmartiges Bauwerk, dessen einzelne Geschosse meist durch vorragende Gesimse oder Dachvorsprünge voneinander getrennt sind. Gebäude dieser Art sind in Vietnam, China, Nepal, Burma, Japan und Korea zu finden.

Eine mögliche Verbindung der Türme zu Hanoi ist einer weiteren Legende zu entnehmen. Darin heisst es, dass besagter Tempel ein in vielen Teilen der Welt präsentes Kloster mit Hauptsitz in Hanoi sei. Wirklich schlüssig ist aber auch das nicht.

Interessanterweise haben die «Türme von Hanoi» den Weg in die Computerwelt und so in die Neuzeit gefunden, weil die «Türme vom Hanoi» als «einfaches» mathematisches Beispiel für Algorithmen herangezogen werden.

Und was sagt der erstaunte Schwabe dazu: «Ha noi!» was nichts anderes heisst als «Aber nein!» Anmerkung: Hier gibt’s schwäbisch Hanoi auch noch zum hören: http://www.schwaebisch-schwaetza.de/schwaebisch_lexikon.html?q=3933

Im Coverbild: «Türme von Hanoi». (Printscreen Amazon-Website).

Juni
26

Eher Fluch als Segen

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Der Klimawandel ist wiedermal in aller Munde. Hier in Vietnam ist er direkt erleb- und spürbar. Einer der schönsten Strände Asiens ist in den letzten Jahren einfach verschwunden. Die Erosion ist teilweise so stark, dass gewisse Strände, wie kürzlich in den Medien zu lesen war, pro Jahr an die 10 Meter verlieren. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt (siehe «Wenn Mann den Ausweis verliert» ) nach Hoi An fahren und dieses Desaster fotografisch festhalten.

Mein erster Beitrag zum Klimawandel aber ist der Zeitraffer «Klimawandel: Fluch oder Segen?». Darin habe ich versucht, mit einem Augenzwinkern die Fakten aufzulisten. Diese stammen übrigens von der Website Zeitonline

Im Coverbild: Making-of der Photosession zum Zeitraffer «Klimawandel: Fluch oder Segen?» Anmerkung: «Ice-Colors» war einer der vielen Probeläufe dazu.

Juni
23

Sony-Fotografen aufgepasst: Vietnam ist Sony-App-Niemandsland!

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Der «Welt»-Konzern Sony ist gar nicht so weltweit aufgestellt, zumindest in der digitalen Welt. Ich wollte hier in Vietnam eine App für meine Alpha 7 (ILCE 7, nicht gerade eine Billigkamera) herunterladen. War aber leider nicht möglich. Also wandte ich mich an den Support. Die Antwort ist aus meiner Sicht unbefriedigend und zweifach bedenklich:

  1. Nicht in allen Ländern können Apps von Sony runtergeladen werden.
  2. Sony weiss (der geneigte Leser beachte das «Anscheinend») selber nicht so genau, wie welche App in welchem Land funktioniert.

Hier die Antwort, ich zitiere:

«Anscheinend sind die Camera Apps nicht verfügbar in Vietnam. Die PlayMemories Camera Apps sind nicht in allen Ländern verfügbar.»

Und dann folgt der Link, so unter dem Motto, schau selber nach, du Demel:

«Regionen mit Zugriff auf PlayMemories Camera Apps  https://www.playmemoriescameraapps.com/portal/usbregions.php».

Und so stelle ich fest: Ich bin nun also in einem Sony-App-Niemandsland und kann die Kamera nur eingeschränkt nutzen. Die Kamera funktioniert auch in vietnamesischen Wlans nicht richtig. Das gehört wohl zum Sony-Anti-Vietnam-Konzept dazu.

Übrigens: Meine Alpha 7 mit Zusatzobjektiven und leistungsstarkem Drahtlos-Blitz ist günstig zu haben!

Coverbild: Auf der Seite der Gebietseinstellungen der Kamera ist Vietnam klar weiss deklariert. Deshalb bin ich nie darauf gekommen, dass die Alpha 7 hier nicht vollumfänglich einsetzbar sein könnte.

Juni
21

Ice-Colors

Ice-Colors

Ich weiss nicht mehr genau, war es das Dauergerede über den Klimawandel, die Hitze oder der Eis-Vodka. Auf jeden Fall werde ich mich ab und an nun fotografisch auch mit Eis beschäftigen. Es hat viel hier, es kühlt und schmilzt so schön. Es ist vergänglich wie das Leben und im Zeitraffer ganz besonders sexy.

Juni
14

Lachen oder: «Geh besser wo anders hin»

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Gerne wird für Vietnam mit dem Slogan «Land des Lächelns» geworben. Und ja, das stimmt wie Figura im Coverbild zeigt.

Diese beiden Männer entladen auf dem Dam-Markt einen Lastwagen mit Melonen. Ich kam dazu, fragte für ein Foto und kriegte dieses Lachen: ehrlich, herzlich und voller Lebensfreude.

Fassade, heisst es vielfach wenn vom Land des Lächelns die Rede ist. Recht haben sie, die Kritiker des Lachens. Es gibt auch das Lachen als Fassade. Was der Mensch dahinter verbirgt, wissen wir nicht. Genauso wenig wissen wir, was hinter einer hasserfüllten Fratze abgeht. Die Lachfassade jedoch ist mir näher und lieber.

Ich habe mittlerweile viele Menschen weit ab von Touristenströmen getroffen, und da habe ich genau dieses ehrliche Lachen erfahren dürfen. Ein Lachen, nicht immer zu Beginn einer Begegnung, das dann aber in eine wunderbare gemeinsame Zeit mündete. Zum Teil sind Freundschaften daraus geworden, zum Teil blieb es beim Lachen.

Natürlich treffe ich des Öftern auch auf das griesgrämige Gesicht. Im Kaffee zum Beispiel. Die junge Frau, die den Tee bringt, oder ihr männliches Pendant treten an meinen Tisch mit einem Ausdruck als wollten sie mir sagen: «Ich bring dir zwar deinen Tee und Kaffee, aber geh doch lieber wo anders hin.»

Anfangs dachte ich das, was ich zu sehen glaubte: Die wollen mich nicht als Gast. Doch mit der Zeit stellte ich fest, dem ist gar nicht so. Als ich das zweite Mal im selben Lokal sass und wieder so griesgrämig bedient wurde, sagte ich mir beim Zahlen: «Da gehst du nicht mehr hin!» Dann brachte mir der junge Kellner das Rückgeld, lächelte das allererste Mal mir zu und sagte in holperndem Englisch: «We hope you come back.»

Es erübrigt sich zu schreiben, dass ich mittlerweile Stammgast in diesem Kaffee bin und die Kellnerin von weitem lachend «Hello» ruft, wenn ich angefahren komme.

Juni
13

Zweiräder, zwei Räder oder gar drei Räder?

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Zwei Räder oder Zweiräder? Egal! Was zählt sind zwei Räder oder doch nicht? Bei längerem Studieren stelle ich fest, etwas fehlt. Ein Rad. Doch alles der Reihe nach.

Ich fühle mich hier in Vietnam – sorry wenn ich mich burschikos ausrücke - sauwohl. Gründe für diese Behaglichkeit gibt es deren viele. Einer sind die Zweiräder.

Ich liebe Zweiräder. Zwei Räder habe ich, und sie zählen zu den materialistischen Dingen, die mir hier das Leben verlustieren. Weiter gehören dazu (siehe Coverbild) meine Hängematte, der Ventilator (wenn es zu heiss ist) und der Computer (wenn ich nicht gerade auf einem Zweirad oder am Strand bin).

Zwei Räder als Fortbewegungsmittel, egal ob mit oder ohne (Elektro)-Motor, sind schlank im Verkehr, wendig, mehr oder weniger effizient, bieten eine grosse Freiheit und es lässt sich damit (fast) alles (auch ganze Familien) transportieren.

Das Vierrad, das Auto, ist in Vietnam ein Statussymbol. Grösse zählt. Es steht hupend im Stau, verstopft die Strassen, benötigt eine Klimaanlage und viel Platz beim Parkieren.

Zurück zum Zweirad. Nur Fliegen ist schöner. Klingt abgedroschen. Doch hätte ich genügend Zeit (im Ü60-Bereich schon mal ein Gedanke), Kraft und Möglichkeiten, geopolitische Grenzen zu überwinden, ich bräuchte nur in Ausnahmefällen ein Flugzeug.

Aber nun bin ich hier mit meinen zwei Zweirädern. In der Zwischenzeit habe ich schon etliche andere Zweiräder (mit oder ohne Motor) gesehen, die ich gerne besitzen würde. Die alte Vietnam-Vereinigungs-Honda zum Beispiel. Ein Ural-Gespann oder ein Elektro-Bike und und und. Aber ich nehme mich zurück. Was soll ich mit all den Zweirädern? Ein Museum aufmachen?

Und doch. Ein Rad fehlt. Wirklich nur ein Rad. Mein Einrad!

Ich hätte nie geglaubt, dass nach Krebs-OP und Strahlentherapie, bei denen ich so viel an Gleichgewichtsgefühl verloren hatte, dieser Wunsch nach Einrad fahren jemals wieder zurückkommen könnte. Doch er ist wieder da. Und das ist gut so, denn er offenbart mir, dass ich auch etwas aus der Schweiz vermisse.

Juni
05

Er serviert Fondue in Vietnam

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Nha Trang in Südvietnam hat nicht nur einen kilometerlangen Sandstrand, sondern auch eine aktive Schweizer Gemeinschaft. Das ist nicht zuletzt das Verdienst des Luzerners Hugo Fischli.

Publikation: Luzerner Zeitung

Datum: 4. Juni 2017

Autor: Peter M. Jenni

Juni
03

Luzerner Wirt holt die Kapellbrücke nach Vietnam

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zentralplus, die News- und Community-Plattform für Luzern und Zug publizierte einen Bericht über Hugo Fischli und warum er die Kapellbrücke, gemalt von Kurt A. Fischli, nach Vietnam holte.

Publikation: zentralpus onlinmagazin

Datum: 02. Juni 2016

Autor: Peter M. Jenni

Juni
01

Hinwiler Künstler sorgt mit Wandbild in Vietnam für Furore

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Das Regio R4 des Zürcher Oberländers widmet dem Hinwiler Künstler Kurt A. Fischli einen grösseren Artikel zu seinem Engagement in Nha Trang.

Publikation: Regio R4

Ausgabe: Nr. 22, 1. Juni 2017

Verfasser: Peter M. Jenni, Text Artelier GmbH

Artikel im Regio der Zürcher Oberland Medien

Mai
30

Fegen oder: Das Gewicht einer Möhre

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Warum hast du als Auftaktbild (im Cover) deiner neuen Website eine Frau, die den Boden fegt? Diese Frage wurde mir gestellt, kaum war der Relaunch online.
Die Frau, die den Boden wischt, steht für das Reinigende. Das frisch Aufgewischte. Das Fegen an sich. Sie steht aber auch für das Selbstbewusste. Sie wischt, stolz, nicht geknickt.
Ein Beispiel dazu: Jeden Abend schiebt eine, ich weiss nicht genau wie alt sie ist, aber eher junge Frau, ihren holpernden, scheppernden, rostig nach Verwesung stinkenden Abfallwagen an unserem Haus vorbei. Sie sammelt den Abfall ein, den alle in Plastiksäcken rausstellen. Sie sammelt ein, sortiert, separiert. Sie geht stolz, lacht und grüsst.
Genauso der alte Mann ein paar Häuser weiter. Auf der Strasse habe ich ihn noch nie gesehen. Wohl zu alt. Er kommt, nehme ich an, nur bis vor die Haustüre, um dazusitzen. Da sitzt er, im Schatten. Alt, sehr alt. Lacht, grüsst. Ich grüsse zurück und denke: Warten auf den Tod kann fröhlich sein. Er muss nicht mehr fegen.
Vor allem in den frühen Morgenstunden sieht man viele Vietnamesen fegen. Sie kehren ihren Vorplatz - zum Teil auch mehrmals am Tag.
Jetzt kann man sich Gedanken darüber machen, wie sie kehren. Sie schieben den Dreck von ihrem Vorplatz auf die Strasse raus und mit dem nächsten Fahrzeug oder Windstoss (es windet fast immer hier in Nha Trang) weht es ihn entweder zurück oder auf des Nachbars Vorplatz.
Es liegt aber nicht an mir, dieses Tun zu beurteilen. Was ich feststelle ist, dass sie fegen, den Nachbarn deswegen nicht verklagen. Sie nehmen das Fegen als solches hin. Morgen und übermorgen auch.
Doch zurück zum Auftaktbild. Neben der kehrenden Frau zeigt es auch Üppigkeit. Die Fülle der Natur. Man hat das Gefühl, hier wächst einfach alles.
Auch hier ein Beispiel: Auf dem Markt sind Karotten erhältlich, die um ein Kilogramm schwer sind.
Im Internet liest man zum Möhrengewicht: «Möhren oder Karotten können unterschiedlich gross werden und so ist das Gewicht einer einzelnen Möhre stark unterschiedlich. Sie wiegen etwa 50 Gramm bis 200 Gramm pro Stück. Es gibt auch sehr grosse Exemplare, die bis 300 Gramm schwer werden.» Hä?

Mai
30

Der Pflanzkübel auf der Strasse

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Heute auf der morgendlichen MTB-Runde.

Der kleine kaum erwähnenswerte Hügel am Ende der Strandpromenade ist erklommen. Eine kurze Abfahrt, S-Kurve und da steht er: Mitten auf der Strasse ein weisser Styropor-Pflanzkübel mit ein paar grünen Ästen bespickt.
«Hold the line» ist hier im chaotischen Verkehr mein oberstes Gebot. Überholt wird links und rechts, also immer schön auf deiner Spur bleiben und egal was du tust: Mit Voraussicht, nie überhastet. So lass ich den Kübel, meine Fahrt softly verzögernd, erst mal auf mich zukommen und dann sehe ich es: der Pflanzkübel bezeichnet eine Stromleitung, die wie eine verkehrte Brücke in die Strasse hängt. Schon werde ich links und rechts überholt. Das Handy am Ohr, SMS schreibend oder mit dem Nachbarmotorradfahrer quatschend schiessen sie an mir vorbei. Ich entscheide mich, das Hindernis rechtsseitig zu umfahren.

Noch ein Tipp: Wenn möglich immer den Arm raushalten. Erstens um den Spur- oder Richtungswechsel zu signalisieren und zweitens, was noch fast wichtiger ist, weit raushalten, damit dich niemand zu nah auf der Abbiegeseite überholen kann.

Übrigens: Die Planzkübelmethode, um ein Hindernis anzuzeigen, ist hier ganz normal.

Mai
30

Vietnam im «Top Hinwil»

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«Top Hinwil», die Informationszeitschrift für Hinwilerinnen und Hinwiler, die allen Einwohnerinnen und Einwohnern sowie Firmen der Gemeinde Hinwil kostenlos zugestellt wird, widmet sich in seiner Mai-Ausgabe dem von Kurt A. Fischli geschaffenen Wandbild in Nha Trang (Vietnam).

  • Titel: Erfolg für Hinwiler Künstler in Vietnam
  • Autor und Bilder: Peter M. Jenni, Text ARTelier GmbH
  • Publikation: «Top Hinwil» 5/2017

Download Top Hinwil 5/2017

Mai
29

Bánh tiêu – vietnamesische Hohlkrapfen oder: einfach traurig!

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Bánh tiêu – vietnamesische Hohlkrapfen. Oh, ich liebe sie. Mit Sesam, leicht gummig in der Konsistenz kann ich sie mit meiner lädierten Zunge wunderbar essen und sie sind: honigsüss!
Auf dem Dam-Markt (im Bild) sind sie ab Mittag zu kaufen und wir gönnen uns jeweils zwei dieser süssen Verführungen. Für mich ein kühles Bier dazu. Mmmh, lecker!
So, und jetzt müssen wir mal wieder über Geld reden! Das erste Mal habe ich für vier Stück 20'000 VND bezahlt. Also rund 90 Rappen. Auch wenn ich weiss, dass wir Ausländer immer etwas mehr bezahlen, ich finde das einen fairen Preis.
Hiep war ganz erstaunt, als sie den Preis hörte. «Viel zu teuer!» Mittlerweile bezahle ich die Hälfte. Ich finde die 90 Rappen jedoch nach wie vor einen fairen Preis. So habe ich am Ende des Tages eigentlich immer 40 Rappen zu viel in der Tasche. Was mache ich nun mit denen? Ich habe einen Ausgleich gefunden.
Viele Vietnamesen, die nicht arbeiten können, verkaufen Lose der staatlichen Lotterie zu 10'000 VND das Stück. Jeder Loskauf ist damit auch eine Unterstützung eines sozial Benachteiligten. Also kaufe ich jeden Tag zwei Lose. Und dann gebe ich noch zwei Bettlern je 10'000 VND. Damit kosten mich die vier Bánh tiêu 50'000 VND.
Warum ich das so penibel festhalte? Weil dieser Betrag (für mich sowie für chinesische und russische Touristen, die zu hunderttausenden Nha Trang überfluten) wenig Geld ist und es macht mich traurig, wirklich traurig, wenn ich höre, wie sie, die Touristen, um eine Flasche Bier (0,5L Saigon Bia) feilschen. Dabei geht es jeweils um einen Preis von 15'000 oder 10'000 VND und dann, wenn sie 20 Rappen gespart haben, dieses Geld nicht mal für den bettelnden Mann im Rollstuhl übrig haben.
Kleine Anmerkung. Es gibt in Vietnam nicht viele Bettler. Und die wenigen sind weder aufdringlich noch aggressiv, aber arm. Wirklich arm!

Mai
29

Produktionen für das AVSV St.Gallen

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Von 1998 bis 2016 produzierte ich für das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen (AVSV) St.Gallen die Jahresberichte, das Periodikum «Kaleidoskop» (Kaleidoskop Nr. 1 bis 46) und den Internet-Auftritt www.avsv.sg.ch. Der Jahresbericht 2016 war die letzte Produktion.

Mai
26

Relaunch www.textartelier.ch

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«Nicht ganz freiwillig» habe ich www.textartelier.ch einem Relaunch unterzogen. Selbstverständlich verbunden mit der Hoffnung, dass ich damit den Usern einen Mehrwert schaffen konnte und auch das Design der Zeit und der Technik (responsives Display) angepasst erscheint.

Warum «nicht ganz freiwillig»?

Zur Gestaltung dynamischer Websites wird im Hintergrund die Skriptsprache PHP (rekursives Akronym und Backronym für «PHP: Hypertext Preprocessor», ursprünglich «Personal Home Page Tools») genutzt. Sie wird hauptsächlich zur Erstellung dynamischer Webseiten oder Webanwendungen verwendet. PHP ist auch aus sicherheitstechnischen Gründen ebenso Updates unterworfen wie andere Computer-Programme auch.

Seit Sommer 2004 gibt es PHP 5 mit den laufend publizierten Updates. Dann scheiterte aus welchen Gründen auch immer PHP-Version 6 und im Dezember 2015 erschien PHP 7. Da teilweise die Abwärtskompatibilität aufgegeben wurde, bedeutet das für Websites-Gestalter: Es gibt Teile der Website, die nicht mehr funktionieren. Will heissen, hier müssten Korrekturen angebracht werden.

Da ich aber in diesem Zusammenhang kein Freund kleiner Korrekturen bin, habe ich mich entschieden, die Website komplett neu zu gestalten. Mich erfreut das neue Erscheinungsbild und vor allem auch, dass der Seitenaufbau schneller als vorher vonstattengeht. – In diesem Sinn: Viel Spass.

Mai
22

Kürzlich auf dem Schuhmarktstand

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Fake-News sind, dank dem - um es mit seiner eigenen Wortwahl zu sagen - «bad man» Donald Trump, in aller Munde. Fake-Brand ist hier in Vietnam gang und gäbe. In Saigon hatte ich – leider kein Fotoapparat dabei – einen winzig kleinen Shop entdeckt. Sein Angebot: Marken-Aufnäher ab der Rolle. Brands auf kleine Etiketten gestickt oder gedruckt von Armani, Hugo Boss über D&G, Prada bis hin zu Versace.

Und heute auf dem Dam-Markt-Schuhstand: Schuhe von NKIE und abibas. Die Grafiken zu den Schriftzügen leicht verändert. Erst bei genauem Betrachten, beim zweiten Blick sichtbar: Auf dem NKIE-Schuh steht unten NIKIE. Ich weiss nicht, ob Produktionsfehler oder nicht. Auf jeden Fall voller Fantasie und Spassigkeit. Faszination Vietnam eben. Ein Beispiel dazu: Als 2007 die Helmpflicht in Vietnam eingeführt wurde, da wurden Blumentöpfe und noch vieles andere auf die Köpfe gesetzt. Erst ein spezielles Gesetz schaffte Klarheit.

Mai
22

Bilder einer Party oder: Aufwärmrunde

Vorgesehen war eine Party mit eisgekühltem Vodka anlässlich der Vernisssage von Kurt A. Fischlis Wandbild "Circle of life". Da jedoch mein Geburtstag in zwei Tagen ist, lud Hiep Freunde und Nachbarn gleich zur Geburtstagsparty mit Torte und Geschenken. Es war ein unvergesslicher Abend und sozusagen die Aufwärmrunde zu meinem 60.

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Der Tisch ist gedeckt. Das Essen zubereitet. Hiep hatte sich eine riesen Arbeit aufgebürdet und sogar selber ein Blumenbouqet gesteckt.

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Die ersten Gäste, Freunde und Nachbarn, sind eingetroffen. Das Bier ist kalt und Eis hat es auch. Also: Jo!

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Das Essen schmeckt vorzüglich.

TA GmbH 72dpi 20170521 191053 Der Vodka wird serviert, Part 1.

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Der Vodka wird serviert, Part 2.

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Jo! Auf das Wandbild, Part 1.

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Jo! Auf das Wandbild, Part 2. (Alle anderen Parts dieser Jo!-Serie sind bewusst nicht festgehalten .....)

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Die ersten Karaoke-Gesänge schrillen in die Nacht hinaus. Ein Problem mit der Nachbarschaft wegen der Lautstärke? Nein, kein Problem. Es ist der Nachbar, der singt ...... Jo!

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Ausgelassene Partystimmung: Herrrlich, ein Haus voller fröhlicher Menschen.

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Mein Freund Ha singt voller Inbrunst. Für ihn geht es nachher noch an eine Weddingparty. Tja, sie sind viel beschäftigt, die Vietnamesen.

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Süss und sahnig: Jetzt muss die Geburtstagstorte dran glauben.

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Zu vorgerückter Stunde: Nicht ganz einfach jedes Stück an den Mann zu bringen ......

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Zum Abschluss mein Nachbar Won: Mit 75 immer mal wieder gerne ein Bierchen und Karaoke hat er natürlich auch noch drauf.

Mai
20

Wo ist denn hier das Millerntor?

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Eigentlich wollte ich mir einen Spass erlauben und als St.Pauli-Fan mit meinem wehenden Pauli-Badetuch durch Nha Trang düsen. Davon wurde mir aber abgeraten. Die Begründung: In Vietnam gilt ein Demonstrationsverbot. Wer dagegen verstösst, landet im Gefängnis. Soviel war mir der Spass dann doch nicht wert und so hat Kurt A.Fischli als Fotograf auch gleich noch etwas gephotoshopt.

Mai
15

"Circle of life": Vernissage am 21.Mai 2017

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Am 21. Mai feiern wir hier in Nha Trang Vernissage von Kurt A. Fischli's "Circle of life". Der Vodka (siehe Coverbild: Zubrowka Bison Vodka) wurde liebevoll kaltgestellt und immer wieder gewässert (aussen).

"Man schmeckt die Wildnis. Grasiger milder Geschmack, der an Frühling erinnert. Ein Vodka, den man auch riechen kann." Soviel zum Vodka. Doch der Star des Abends wird "Circle of life" sein.

Mai
14

Warum solidarisch sein?

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Ein Plädoyer für Europa, für Solidarität, Sicherheit und Frieden. Auszug aus einem Kommentar von Stefan Kuzmany im Spiegel Online.

Zitat: "Die letzten Zeugen des Zweiten Weltkriegs verstummen, einer nach dem anderen, sie sind alt und sterben. Bald kann niemand mehr aus eigener Erfahrung davon berichten, wie es war, als Deutschland Europa in den Krieg gestürzt und den ganzen Kontinent in Schutt und Asche gelegt hat und als dessen eigene Städte am Ende in Trümmern lagen. Die Kriegsgeneration ist abgetreten, die Nachkriegsgeneration in Rente. Doch sie haben uns nicht nur das schreckliche Erbe des Krieges hinterlassen, ihre besten Köpfe haben danach Unglaubliches vollbracht: die Versöhnung und Einigung Europas.

So selbstverständlich ist dieses Wunder der Europäischen Union mittlerweile geworden, dass viele vergessen zu haben scheinen, was ihr eigentlicher und einziger Zweck ist: Frieden und Sicherheit für die Menschen in Europa. Da scheint es mittlerweile eine Verwirrung zu geben in vielen Köpfen, sie meinen, es ginge um Vorteilsstreben und Gewinnmaximierung. Und so kehrt der Nationalismus zurück, der Eigensinn der Völker: Warum solidarisch sein, warum etwas abgeben? Könnte man nicht viel mehr für sich und die eigenen Leute herausholen, wenn man allein auf eigene Rechnung operiert?" Ende Zitat.

Mai
11

Buddhas Day oder: Multireligiöser Atheist

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Gestern war Buddhas Day. Gemäss meiner Agenda Buddhas Birthday. Also sind wir zu unserem Tempel hoch über Nha Trang gefahren.

Na ja. Was soll ich sagen? Religion ist nicht so mein Ding. Noch vor meiner Abreise habe ich meinen Glauben «an der Garderobe» abgeben. Atheist eben. Nicht weil es Gott für mich nicht gibt, sondern weil er viel facettenreicher daherkommt, als mir jede Religion vermitteln kann.

Reformiert bin ich erzogen worden, katholisch meine beiden Jungs und mittlerweile habe ich ein wenig Einblick in den Buddhismus erhalten. Vielleicht bin ich ja naiv, aber überall habe ich Weisheiten gefunden, die passen. Also bin ich ein multiregligiöser Atheist.

Im Cover-Bild: Lebensfreude pur: Warten auf dem Auftritt zu Buddhas Day im Tempel.

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Ein Platz zum Meditieren: Was für ein Blick vom Tempel aus über Nha Trang.

Mai
09

«Circle of life» von Kurt A. Fischli in Nha Trang

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Mein Freund Kurt A. Fischli (Hinwil) gestaltete hier in meinem Haus in Nha Trang meinen Arbeits-Raum mit drei Wandbildern und das mit durchschlagendem Erfolg. Weitere Aufträge stehen an.

Inspiration zum Wandgemälde fand Kurt immer wieder in buddhistischen Tempeln, in Gesprächen mit Mönchen, in der Nachbarschaft. Schnell wurde klar, wohin «die Reise» gehen würde.

Mit «Circle of life» entstand als Hauptelement ein vier mal fünf Meter grosses Wandgemälde. Kurt verstand es, in seinem unverkennbaren surrealistischen Stil Elemente Vietnams mit Facetten aus meinem Leben und Schaffen zu verbinden.

«Circle of life» wird ergänzt durch einen Drachen und in der Tiefe des Raumes mit einer romantischen Strandszenerie mit Palmen.

Mein Fazit: Aus einem Arbeitsraum ist ein unwirklich wirklicher Traum-Raum geworden. Ich wusste, dass ich Kurt alle Freiheiten geben konnte. Aber das etwas so Wunderbares entstehen wird, hatte in meinen kühnsten Träumen keinen Platz gefunden.

PDF-Dokumentation: Ein Wandbild entsteht

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Mai
06

Wenn Mann den Ausweis verliert oder: Anständig sein lohnt sich nicht immer

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Eines vorweg: Ich bin ein gewissenhafter Mensch. Halte mich wenn möglich an Grenzen, Regeln, Gesetze. Aber diese Eigenschaft kann einem ganz schön in die Bredouille katapultieren, und am Schluss bleibt die Feststellung: Da hätte ich auch stockbesoffen Motorrad fahren können. Doch alles der Reihe nach.

«Du musst nur sagen, du hättest den Fahrausweis verloren und schon hast du einen Ersatz, wenn die Polizei dir deinen wegnimmt.» Solcherlei Spielereien, wie wir sie im jugendlichen Übermut als Neulenker in die Welt hinaus posaunten, waren mir nie geheuer. Zu anständig. Zu ängstlich vor möglichen Folgen.

Kurz vor meiner Ausreise nach Vietnam kam mir diese Möglichkeit von zwei Ausweisen wieder in den Sinn, aber ich verwarf sie aus den gleichen Gründen wie damals. Und dann passierte das, was man ja immer zu vermeiden sucht. Ich verlor meine Brieftasche samt Fahrausweis.

Glücklicherweise trage ich nie viel Bargeld mit mir. Deshalb sah ich den Verlust der Brieftasche auch nicht als grosses Problem an. Es war eher ein Problemchen. Doch da habe ich die Rechnung ohne die Schweizer Behörden gemacht.

Das Strassenverkehrsamt erklärte mir unmissverständlich: «Einen Fahrausweis kriegen sie, da sie in der Schweiz abgemeldet sind, nicht mehr. Sie müssen nun einen neuen Fahrausweis in Vietnam beantragen. Wir schicken ihnen eine Bestätigung über die von ihnen abgelegten Führerprüfungen. Aber beachten Sie, das ist keine Fahrerlaubnis.»

Aha! Nur weil ich meinen Ausweis verloren habe, habe ich nun keine Fahrerlaubnis mehr? Das kann’s doch nicht sein! Also hake ich nach. Erfolglos natürlich. Ich beisse auf Granit und fahre seither mit meiner FTC ohne Papiere durch die Gegend.

Auf dem Polizeiposten in Nha Trang kriege ich ein müdes Lächeln, als ich eine Bestätigung für meinen Verlust einfordern will. Erst ein vietnamesischer Freund schafft das. So fahre ich nun mit einem Schreiben der Nha Tranger Polizei...

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.... und mit einem Papierausdruck meiner PDF-Fahrausweiskopie durch die Gegend und hoffe, im Falle einer Polizeikontrolle, auf Verständnis. Andernfalls müsste eine monetäre Lösung in Betracht gezogen werden.

Doch zurück zum Bestätigungsschreiben des schweizerischen Strassenverkehrsamtes. Im Begleitschreiben heisst es, es sollte kein Problem sein, eine vietnamesische Fahrbewilligung zu erhalten. Und am Ende der Bestätigung steht: Gültigkeit einen Monat!

Allein die Gültigkeitsdauer zeigt, wie viel der ausstellende Beamte von Vietnam weiss. Denn bis das Schreiben im Original hier eintreffen wird, vergeht fast einen Monat. Dann muss ich es beglaubigt auf Vietnamesisch übersetzen lassen, was nochmals rund zwei Wochen veranschlagt. Das heisst, bevor ich mit dem Schreiben bei den Behörden vortraben kann, ist es abgelaufen.

Diese Bestätigung ist für mich Makulatur, bevor sie ausgestellt wurde.

Heute bereue ich es, dass ich vor meiner Ausreise nicht den Mut zu dieser kleinen Schwindelei aufbrachte, um mit zwei Fahrausweisen nach Vietnam auszuwandern. Denn faktisch bedeutet nun für mich der Verlust meines Fahrausweises ein Entzug der Fahrerlaubnis durch die Schweizer Behörden und das nur, weil ich zu anständig war.

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Mai
05

Wedding in Dak Lak - Bilder einer Party

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Hochzeit in Vietnam. Ein Erlebnis der besonderen Art. Ich durfte die ersten zwei von drei Tagen Wedding-Party miterleben. Am ersten Tag die Vorfeier mit der Familie der Braut und am Tag darauf die buddhistische Zeremonie. Für die katholische Feier am dritten Tag gab ich forfait. Erholung war angesagt.

Im Bild oben: Warten auf den Bräutigam. Es folgen Bilder von der Feier am zweiten Tag.

TA GmbH 72dpi DSC01242Bald hat das Warten auf den Bräutigam ein Ende.

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Einzug der Familie des Bräutigams mit .....

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.... üppigen Geschenken für die Braut.TA GmbH 72dpi DSC01263

An der Übergabezeremonie nimmt nur der engste Familienkreis teil. Für die anderen heisst es warten.

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Das Handy ist immer dabei. Bereits sind erste Hochzeitsbilder auf Facebook.

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Die Hochzeit: Das Brautpaar übergibt, nach den Reden der Väter, Reiswein an die Eltern.

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Das Essen steht bereit.

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 Das Brautpaar: Kim Yen and Chi Trung (von links) auf ihrem Fotomarathon durch die Hochzeitsgesellschaft.TA GmbH 72dpi DSC01284

Ein Blick auf die Speisekarte: Das Essen kann beginnen.

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Und immer wieder: Posieren für Fotos

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 Rund dreihundert Gäste: Alle habe ich nicht auf's Bild gebracht.

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..... zwei ausländische Gäste: Kurt Fischli und der Autor.

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Essen und Trinken bis zum Abwinken.

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Ein Feuerwerk - notabene im Festzelt - für das Brautpaar.

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Die ersten Gäste brechen auf.

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Die Party ist vorbei. Schon kommt das Aufräumkommando.

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Das Braupaar, Kim Yen and Chi Trung, locker und gelöst nach rund sechs Stunden Zeremonien.

Apr.
30

Zum Tag der Wiedervereinigung

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Heute, am 30. April, feiert Vietnam "Tag der Wiedervereinigung". Am 29. April 1975 endete das amerikanische Engagement in Südvietnam. Einen Tag später kapitulierte Südvietnam, die Kommunisten hatten gesiegt. Jetzt sollte zusammenwachsen, was für den 1969 verstorbenen Ho Chi Minh zusammengehörte. Der Nord- und der Südteil ergeben zusammen die Sozialistische Demokratische Republik Vietnam.

Im Bild Ho Am Chua-Stausee, rund 15 Kilometer nordwestlich von Nha Trang. Und das Feiern geht morgen mit dem 1. Mai weiter.

Apr.
23

Ein Sonntag in Nha Trang

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Wir gehen ans Velorennen. 33 Grad im Schatten. Ein leichtes Lüftchen zieht vom Meer her ins Land. Das Ziel nach fast 150 Kilometern in Nha Trang auf dem Hauptplatz direkt beim Wahrzeichen, der Lotusblüte.

11 Uhr. Die Stadt versinkt in der Mittagshitze. Ein paar wenige Zuschauer harren in der Hitze aus und empfangen die Rennfahrer. In horrendem Tempo brettern sie über die Strandpromenade dem Ziel entgegen. Fast kein Klatschen. Die Stimmung eher ruhig. Wir schlürfen Kokosmilch.

Und am letzten Sonntag war Hühnerkampf .....TA GmbH 72dpi DSC00986

Apr.
22

Was ich mir schon immer wünschte .....

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... einen fetten, grünen Hinterradreifen.

Doch Hand aufs Herz. Hier stellt sich schon die Frage, warum es Menschen gibt, die immer das Neuste haben müssen. Auch dann, wenn das Alte noch lange gut genug ist.

Apr.
20

Gnadenlose Frühaufsteher oder: Alles in Bewegung

Gnadenlose Frühaufsteher oder: Alles in Bewegung

Vietnamesen sind Frühaufsteher. Gnadenlose Frühaufsteher. Ist auch nicht verwunderlich bei diesen (Tages-)Temperaturen. Und sie sind begeisterte Bewegungsfanatiker. Morgens um halb sechs ist der Strand voll von Menschen, die baden, turnen, laufen, Gymnastik allein oder in Gruppen und zu Musik machen (*), Tai Chi-Figuren üben und viele kommen mit dem Fahrrrad oder zu Fuss. Andere dehnen, lockern beim Spazieren ihre Muskeln oder spazieren einfach die Strandpromenade rauf und runter. Alles ist in Bewegung und plaudert.

Eine Szene gefällt mir jeweils ganz besonders gut, das hat wohl mit meinem Alter zu tun: Auf dem Platz vor der Einfahrt zum stillgelegten Militärflugplatz finden sich immer an die zwanzig alte und ältere Vietnamesinnen und Vietnamesen ein und erfreuen sich an Turnübungen unter Anleitung. Alle in denselben weissen, an Nachthemden erinnernde Gewänder. Es herrscht eine fröhlich lockere Stimmung. Die meisten lachen auch wenn die Bewegungen langsam, zittrig immer dem Vorturner hinterherhinken. Ich muss jedes Mal schmunzeln, wenn ich mit dem Bike da vorbei komme: Das ist also der sportliche Teil des Ausflugs des Seniorenheims. Jeden Morgen!

(*) Man stelle sich vor: Die Frauenriege des TV Walensee-Unterterzen trifft sich bei Sonnenaufgang am Badestrand, stellt zwei grosse Lautsprecher auf und tanzt zu lauter Musik von DJ Bobo. Aus den Lautsprechern dröhnt ein sattes Bum-bum und vermischt sich mit dem Lachen der Turnerinnen. Daneben die Männerriege; die gestählten Körper in der Morgensonne trainierend. Der Gemeindepräsident hüpft, mit den Räten diskutierend, auf und ab. Im Hintergrund wird Kaffee gebraut, während das Betreute Wohnen locker trabend zwei Rollstühle über den Bahnübergang schiebt. Die Kinder baden im See. Der Gemeindeschreiber joggt mit dem Steuereintreiber rund um's Resort. Der Segellehrer, der Schreinermeister und der Garagist meditieren, während russiche Resort-Gäste in der Hamol-Stellung (Achselhöhlen der Sonne zugewandt) auf Bräunung warten. Von Walenstadt her kommend trifft eine Gruppe Radfahrer ein. Sie, gehen baden, dehnen und setzen sich auf Kinderstühle, trinken Kaffee und quatschen. Immer mehr kommen dazu. Es werden neue Kinderstühle organisiert. Der Strand leert, das Freiluftkaffee füllt sich. Und das jeden Morgen!

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Morgendlicher Frauentreff mit dem Fahrrad am Strand von Nha Trang.

Apr.
10

Pfalzbrief: Etwas zu lachen gibt es immer

Pfalzbrief: Etwas zu lachen gibt es immer

Der Pfalzbrief 1/2017, Personalzeitschrift des Kantons St.Gallen, ist dem Thema «Aufbruch und Ausbruch» gewidmet. Darin auch einen grösseren Artikel über mein Auswandern: «Peter Jenni, Aussteiger: Etwas zu lachen gibt es immer»

Download Pfalzbrief

März
29

Geschwindigkeit, Ruhe und Langsamkeit

Geschwindigkeit, Ruhe und Langsamkeit

Heute zwei Impressionen eines Motorrad-Ausflugs nach Mui Ne, bekannt für seinen Sand und Strand.  Auf dem Rückweg entdeckte ich eine neue erstelle, vierspurige Strasse mitten durch die Sanddünen. Sanfte Kurven, neuer Belag, keine Schlaglöcher, kein Verkehr, keine Tiere und keine Geschwindigkeitskontrollen.

Den Motorradfahrerinnen und Motorradfahrern muss ich nun nicht erklären, was das bedeutet und die anderen können es sich wohl auch vorstellen.

Auf jeden Fall habe ich mich danach noch an meinen Lieblingsort hoch über Nha Trang zurückgezogen (im Bild unten), um bei diesem Ausflug auch Ruhe und Langsamkeit zu erfahren.

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März
21

Ein Schweizer wird verehrt wie ein Heiliger

Ein Schweizer wird verehrt wie ein Heiliger

In Nah Trang wird ein Schweizer verehrt, ja fast vergöttert, der in der Schweiz ziemlich in Vergessenheit geraten ist: Alexandre Émile Jean Yersin, der Entdecker des Pesterregers. Die Menschen hier in Nha Trang danken es ihm insbesondere, dass es Yersin gelang, Taifune vorherzusagen, was vielen Fischern das Leben rettete.

1894 entdeckte Yersin in Hongkong den Pestbazillus, dem er seinen Namen gab (Yersinia pestis). 1895 beteiligte er sich in Paris an der Entwicklung eines Heilserums gegen die Pest. In Hanoi gründete er 1902 die erste medizinische Schule und 1905 in Nha Trang das erste Institut Pasteur.

Nach ihm benannt ist in Nha Trang eine Strasse, ein Platz und eine Schule. Es gibt, zentral gelegen, das Alexandre Yersin Museum, an der Uferpromenade sein Denkmal (im Bild oben) und, weil die Strasse gesperrt ist, ein derzeit nicht zugängliches Monument, gut 50 Kilometer ausserhalb von Nha Trang. Yersin ist in Nha Trang fast allgegenwärtig.

Eine Yersin-Büste findet man zum Beispiel aber auch in Honkong und eine Gedenktafel am Stadtgymnasium in Lausanne. Vor allen in Südvietnam ist sein Name präsent. Aber nirgends wird er so stark verehrt wie in Nha Trang. Hier wird sein Andenken hochgehalten und die Einheimischen bringen bei Sonnenaufgang Blumen und Gaben zum Denkmal direkt am Strand.

Yersins Leben und Wirken beschreibt das deutsche Fernsehen SWR2 wie folgt: «Wer in Zentralvietnam gleich neben Buddha wie ein Heiliger verehrt wird, ist eine der faszinierendsten Forscherpersönlichkeiten der jüngeren Geschichte: Alexandre Yersin. Während Jahrzehnten forschte der gebürtige Schweizer Mediziner, der einst zum innersten Kreis von Louis Pasteur gehörte, in Indochina. Er erlangte Weltruhm, als er vor 120 Jahren den Pesterreger entdeckte - ein medizinhistorischer Krimi.»

Diesem Krimi haben einige nachgespürt. So auch Patrick Deville in seinem Roman «Pest und Cholera», den das das Schweizer Fernsehen in der Sendung «Der vergessene Schweizer Forscher, der die Pest besiegte» würdigte.

Alexandre Yersin wurde am 22. September 1863 in Aubonne (Schweiz) geboren und starb am 28. Februar 1943 in Nha Trang, meiner neuen Heimat.

Mehr zu Yersins Leben und Schaffen: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexandre_%C3%89mile_Jean_Yersin

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März
15

Das harte Leben in Nha Trang

Das harte Leben in Nha Trang

Also das MUSS jetzt auch mal gesagt sein: Ein so schönes Leben, wie sich das viele vorstellen, habe ich auch nicht!

Wenn ich zum Beispiel eher spät, so gegen 9 Uhr an der Beach wandle und schwimme, wartet eine der grössten menschlichen Qualen. Himmel blau, Meer traumhaft, leicht erfrischend, Luft noch nicht zu heiss und fast keine Menschen am Strand. Wie im Paradies. Die Einheimischen verlassen nach Sonnenaufgang den Strand und die Touristen schlurfen noch verkatert ums Frühstücksbuffet.

In diesem Postkartenidyll fällt es mir dann immer verdammt schwer, zurück zur Arbeit zu fahren. Und ich denke mir: Wäre ich hier nur in den Ferien, ich könnte den ganzen Tag am Strand rumlungern. Das zeigt doch, wie hart das Leben hier ist. Oder?

März
14

Nicht weinen! Oder ein Junge auf dem Sozius

Nicht weinen! Oder ein Junge auf dem Sozius

Das Thema in Hieps Garküche gestern: Der Tod eines neunjährigen Nachbarjungen.

Sie erzählen die ganze tragische Geschichte. Der Junge ist nicht Opfer eines Unfalls, einer kriminellen Tat oder gar einer unheilbaren Krankheit geworden. Nein. Der Junge musste einfach sterben, weil er krank war und die Eltern kein Geld für den Arzt hatten. Sie erklären mir das in einem trockenen Tonfall. Ohne Anklage. Ist einfach so.

Den ganzen Tag ertönen Musik und Trommelklänge für die noch verbliebenen Energien im Leichnam, denn der Geist muss noch vier Phasen bis zur Auflösung durchlaufen.

Der Gedanke, nicht für den Arzt aufkommen zu können, war bis anhin so weit weg von mir, wie die Sterne im Universum. Und jetzt: In der Nachbarschaft!

«Kannte ich den Jungen?» wollte ich wissen. Sie zeigten mir das verlotterte Haus, direkt hier um die Ecke, vor dem nun die Hinterbliebenen, Nachbarn und Freunde die Totenzeremonie abhalten.

Mir wurde schlecht beim dem Gedanken, dass ich mit meinem überkandidelten Motorrad des Öfteren an diesem Haus vorbeigefahren bin und drinnen lag ein Junge im Sterben, nur weil die Eltern kein Geld für den Arzt hatten.

«Gehen wir rüber?», fragte Hiep.

Ich: «Nein. Ich kann da nicht hin. Ich fühle mich beschissen, schäme mich und müsste weinen.»

Auszug aus «Die Bestattungskultur des Buddhismus» von http://www.tod-und-glaube.de

Das Begräbnis gehört in vielen Ländern zu den buddhistischen Hauptzeremonien, da es den Übergang in die Zwischenwelten und die darauf folgende Wiedergeburt eröffnet.

Die Feierlichkeiten können mehrere Tage dauern. Bei der Abschiednahme stehen die Gäste zusammen, Sutras, die überlieferten Reden Buddhas, werden rezitiert und jeder soll sich an positive, gute Erlebnisse mit dem Verstorbenen erinnern. Zum einen, um dem Toten fröhliche, wertvolle Gedanken mitzugeben. Zum anderen als Reaktion an Stelle des Weinens. Dieses sollte vermieden werden, denn Trauer und Tränen sind oft durch den Verlust für die Hinterbliebenen und Selbstmitleid bedingt.

Ich weiss, morgen werde ich wieder auf dem Motorrad sitzen, es geniessen und durch den warmen Wind düsen. Aber ab und an werde ich den Jungen auf dem Sozius mitnehmen.

(Im Bild oben) Blumen und Getränke für die Toten: Grab in Dak Lak.

März
13

Allgegenwärtig oder: 9 Rappen für die Erinnerung

Allgegenwärtig oder: 9 Rappen für die Erinnerung

Gewisse Themen begleiten. Sie kommen einfach mit. Ob eingeladen oder nicht. Plötzlich tauchen sie auf, sind sie da. Lassen Erinnerungen wach werden, zeigen Verbindungen auf und verschwinden wieder. So ein Thema ist die Spinnerei. Alles begann mit dem Ende, der Schliessung der Spinnerei Murg (siehe PicTapas: Endlose Stille) und hat sich seither wie ein Magnet an mich geheftet. Hier in Vietnam ist das Thema Spinnerei in der 2000 Vietnam Dong-Note jeden Tag sozusagen allgegenwärtig. Diese hat übrigens einen Gegenwert von etwa 9 Rappen.

März
12

Zwanzig Vietnamesen, die …

Zwanzig Vietnamesen, die …

Eigentlich begann dieser Sonntag ganz ruhig. Dann kam das Telefon.

Hiep, nachdem sie aufgelegt hatte: «20 Personen von 'OPPO - Tấn phát mobile' kommen um halb zehn zum Essen.»

Es war morgens um halb acht. Ich kam eben vom Sport zurück.

Ich beeindruckt: «20 Personen. So viele Stühle haben wir nicht.»

Hiep, die kurzerhand ihr Business erweiterte, mein Pulttisch abräumte, unseren Esstisch nach vorne beorderte und mein Büro in ein temporäres Restaurant verwandelte, «Es macht dir doch nichts aus?» wartete nicht auf eine Antwort, sondern sagte: «Dann fragen wir die Nachbarn.»

Die hatten aber nicht so viele, die sie entbehren konnten. Also zog ich los, kaufte auf dem Markt neben den Nudeln und dem Fleisch noch acht Stühle. Alles auf den Motorroller gepackt und schon konnte das Restaurant fertig eingerichtet werden.

Zwanzig Vietnamesen mit Pho Bo beköstigen geht ganz schön quick. Aber sofort packen ein paar der Gäste mit an. Stühle werden gerückt, die vollen Suppenschüsseln serviert, andere bestaunen meine Kawasaki, die in den hinteren Teil des Raumes weichen musste, weil auf der Strasse kein Platz war. Wegen dem Bus.

Nach nicht mal einer halben Stunde ist alles vorbei. Winkend verabschieden sich die Gäste und steigen zufrieden und mit vollem Bauch in den Bus. Der Boden ist übersäht mit Papier, ausgepressten Limetten, Zigarettenstummeln und Basilikumstengeln. Dass mein Büro mal so aussehen würde, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können.

Doch lange hielt das Bild nicht. Nicht mal eine halbe Stunde später ist der Boden gewischt und gefegt, das Büro sauber und wieder gut zu benutzen. Nichts erinnert mehr an 20 Vietnamesen, die Pho Bo essen, quatschen, rauchen, lachen und alles auf den Boden werfen.

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März
11

Boller und die (Lebens-)Kunst

«Schau dir das an!» Boller zeigte auf einen Hauseingang, vollgehängt mit Bildern und ging darauf zu.

Boller erfreut: «Ein Haus voller Kunst.»

Fredi schaut sich um, dann erstaunt: «Wer kauf denn so was?»

Boller: «Irgendjemand wohl schon. Sonst wären die Bilder ja nicht hier!»

Fredi kopfschüttelnd: «Aber schau dir die Bilder an. Ist doch alles Kitsch. Es fehlt nur der röhrende Hirsch im Wald.»

Boller geht hinein: «Erstens, du Ignorant, sind wir hier in Vietnam. Da gibt es keine Hirsche und schon gar nicht welche, die röhren. Und zweitens kannst DU die Kunst darin nicht erkennen.»

Fredi: «Kunst! Das ist doch alles einfach nur ein Gemale, ein Aneinanderreihen von Farben. Bilder wie ich sie in jedem Brockenhaus finde.»

Boller: «Ja Fredi. In einem Brockenhaus in der Schweiz schon. Aber du bist in Vietnam. Hier gelten andere Gesetze. Hier lebt eine ganze Familie davon und das ist Kunst. Lebenskunst.»

März
10

Hä? Wer glaubt hier wem?

Hä? Wer glaubt hier wem?

Ein in der Schweiz beglaubigtes Dokument für das Ausland beglaubigen zu lassen, ist gar nicht so ohne. Denn zuerst muss die Beglaubigung beglaubigt werden, damit sie beglaubigt werden kann.

Um was geht es? Damit ich im Namen der Text ARTelier GmbH hier in Vietnam Tätigkeiten ausführen kann, benötige ich neben diversen Dokumenten auch einen beglaubigten Handelsregisterauszug. Diesen, vom Handelsregisteramt Appenzell Ausserrhoden beglaubigten Auszug, so dachte ich, könnte ich vom Schweizerischen Generalkonsulat in Ho Chi Minh City beglaubigen lassen.

Doch weit gefehlt. Schweizerische Vertretungen im Ausland können nur die Unterschrift der Kantonskanzleien beglaubigen. Will heissen: Die Kantonskanzlei AR muss den beglaubigten HR-Auszug beglaubigen, so dass dann die Schweizer Vertretung, diesen beglaubigen kann.

Ich bin mir sicher: Bei so viel Beglaubigung, wird mir dann schon jemand glauben, aber: Damit ist die Beglaubigungszeremonie noch nicht zu Ende. Denn die Vietnamesen verlangen anschliessend von diesem mehrfach beglaubigten Handelsregisterauszug eine beglaubigte Übersetzung ins Vietnamesische.

(Im Bild: Kathedrale in Nha Trang) Wer glaubt wem? Das ist hier nicht die Frage.

März
08

So geht Business in Vietnam!

So geht Business in Vietnam!

Ich bin ja nun schon wie die Jungfrau zum Kinde zu einem Gästezimmer gekommen. Nun habe ich auch noch «ein Restaurant». Ok, ein bisschen übertrieben ist das schon, aber: So geht Business in Vietnam! Doch alles der Reihe nach.

Ich liebe das Simple! - Irgendwie einfach, wie das Leben hier funktioniert. Jeder macht oder werkelt etwas. Ein Motorroller mit einem übergrossen Gepäckträger gepaart mit viel Fahrgeschick und schon ist Mann Transportunternehmer; eine kleine Garküche und Suppe wird verkauft; ein Luftkompressor am Strassenrand zum Aufpumpen und Reparieren von Plattfüssen; ein Wasserschlauch und Autos und Motorräder werden gesäubert; eine Nähmaschine vor dem Hauseingang und ich bringe meine Kleider zum Flicken vorbei. Daneben wäscht und färbt eine Frau Haare, eine andere macht Fusspflege und etwas weiter sind ein paar kleine Plastiktische im Schatten aufgestellt. Am Morgen wird dort Kaffee serviert, danach verschwinden die Tische wieder. Wer weniger investieren kann, trägt oder fährt mit dem Fahrrad sein Business: Losverkäufer, Früchteanbieter, süsse Gebäcke usw. Fast jeder hat «sein Business» und damit ein kleines, zum Teil klitzekleines Einkommen. Aber es ist «ihr/sein Business!» und das macht sie und ihn stolz.

Die, die nach immer Grösserem, nach immer mehr streben, mögen darüber schmunzeln. Aber die Haarfärberin, die in einfachsten Verhältnissen den Haaren ihrer Nachbarinnen eine neue Tönung verleiht, lacht viel bei der Arbeit und ist zufrieden. Sie trinkt ihren gesüssten Morgenkaffee zwei Häuser weiter zusammen mit anderen Frauen und Männern, die ein kleines Business betreiben. Und alle wirken sie zufrieden. Keiner ist gestresst, Burnout kommt in deren Wortschatz nicht vor. Alles funktioniert wie ein kleiner, eigener Kosmos.

Ob sie auch wirklich zufrieden sind? Ich weiss es nicht. Ich verstehe ihre Sprache noch zu wenig. Aber wenn ich aus dem Haus gehe, dann sehe ich in grossmehrheitlich freundlich lachende Gesichter. Ich sehe Menschen, die zufrieden in den Tag starten, die Lachen und beschwingt durchs Leben gehen.

Natürlich gibt es auch das «richtige Business». Grossfirmen und Firmenbosse in grossen, schwarzen und anderen Limousinen. Bei ihnen kommt die Gewinnmaximierung vor dem Lachen. Und wenn sie aus ihren mit dunkeln Scheiben getönten Wagen steigen, hört man kein Lachen. Sie blicken mürrisch drein, enervieren sich laut hupend über die vielen Motorroller und gehen, die Nachbarn keines Blickes würdigend, ihren Weg.

Jetzt bin ich abgeschweift. Also finden wir wieder zurück zu «meinem Restaurant». Meine Partnerin, Hiep, sagte schon als wir das erste Mal das Haus besichtigen, hier könne sie «ihr Business», eine kleine Garküche, verwirklichen.

Ich lachte. «Ein Restaurant?»

«Ja.» Sie zeigte mir geschwind, wie das auf dem Vorplatz aussehen werde. Wo die Motorbikes abgestellt, Tische und Stühle platziert und wo die Kochstelle sein werde.

Ich sagte: «Aber du kannst doch nicht einfach ein Restaurant eröffnen.»

Sie lachte. «Klar kann ich! Kein Problem.»

Ein paar Wochen und ein Plakat später ist es soweit. Pho Bo und Pho Ga stehen auf der Speisekarte und als Alleinstellungsmerkmal gibt es «Pho Thuy Si».

Vietnam-Kenner werden sich jetzt fragen: «Pho Thuy Si? Was ist das?»

Hier braucht es jetzt eine Erklärung und ich beginne ganz von vorne: Phở (so die richtige vietnamesische Schreibweise) ist eine traditionelle Suppe der hiesigen Küche. Eine mögliche Wortherkunft ist die vietnamesische Aussprache für Pot-au-feu. Die Fleischsuppe wird je nach Region etwas anders, mit unterschiedlichen Nudeln zubereitet. Hiep serviert eine Variante aus dem Norden, Hanoi.

Auf Wikipedia heisst es:
Phở wird in einer Schüssel gereicht und enthält neben einer kräftigen klaren Brühe (meist aus Rinderknochen) Reisnudeln und traditionellerweise dünne Scheiben Rindfleisch (phở bò; phở tái, wenn das Fleisch erst in der Schüssel garzieht) oder Hühnerfleisch (phở gà). Weitere Zutaten sind Zwiebel- oder Lauchringe, Koriandergrün, Minze, Chilis in Scheiben, weißer Pfeffer, Limettenspalten und Fischsauce, in Südvietnam auch vietnamesisches Basilikum und Mungbohnenkeime. Diese Zutaten werden meist gesondert auf Tellern gereicht, um sich seine Suppe nach Belieben anzureichern und zu würzen.

Die Suppe wird in Vietnam im Straßenverkauf angeboten. Traditionell ist Phở ein Frühstück. Deswegen öffnen viele darauf spezialisierte Restaurants schon früh morgens und schließen im Laufe des Vormittags. Vor allem in größeren Städten gilt diese Einschränkung nicht.

Es gibt in Nord- und Südvietnam unterschiedliche Zubereitungsarten: während in Hanoi eine eher helle und dezent gewürzte Brühe verwendet wird, werden im Süden die Fleischknochen vor dem Kochen häufig über Holzkohle angeröstet, um die Brühe intensiver in Farbe und Geschmack zu machen und vor dem Verzehr wesentlich mehr Würzzutaten zugegeben.

Thuy Si bedeutet Schweiz. «Pho Thuy Si» (im Bild unten rechts) wird - nicht ohne Stolz muss ich anfügen, dass es sich hierbei um meine Idee handelt - statt mit Reisnudeln mit Flädli zubereitet. «Pho Thuy Si» ist also eine Flädli-Suppe, entweder mit Rind oder Poulet. En Guetä!

Pho thuy si bo

Pho Bo (links) und Pho Thuy Si (rechts)

März
06

Wenn die Stadt von Reisecars überrollt wird

Wenn die Stadt von Reisecars überrollt wird

Ich habe mich auf meinen Bike-Ausfahrten schon mehrfach gewundert, warum es Zeiten gibt, an denen die Strandpromenade von Cars nur so überschwemmt wird. An Gruppenreisenden, die in den vielen Hotels an der Promenade an- und abreisen, kann es wohl nicht liegen. Die gehen und kommen nicht alle zur gleichen Zeit.

Heute Morgen habe ich des Rätsels Lösung in Nha Trangs Süden gefunden. Die Carschwemme kommt aus dem Nha Trang Port. Der ist zwar nicht übermässig gross, aber immer mal wieder legen Kreuzfahrtschiffe, wie heute die MS Amsterdam, an. Das, nach Angaben auf der Website, 5-Sterne-Kreuzfahrtschiff der Holland America Line Reederei transportiert auf 12 Decks 1380 Passagiere und diese wollen «ausgeflogen» werden. Dazu standen (siehe Bild-Ausschnitt unten) 16 Cars bereit.

Die Boote im Vordergrund warten wohl ebenfalls auf Gäste des Kreuzfahrtschiffs. Mehrere Inseln vor Nha Trang laden zu Unterhaltung und Baden. Besonders beliebt die 4-Insel-Tour; mehr davon ein anderes Mal.

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März
04

Ein neuer Tag ...

Ein neuer Tag ...

... braucht keine Worte. Pictapas A new day / https://peterjenni.myportfolio.com/at-the-fish-market

Feb.
27

Heute werden keine Bücher mehr verbrannt, aber ....

Heute werden keine Bücher mehr verbrannt, aber ....

Heute mal ein ganz anderes Thema. Nicht von Vietnam, von Reisen und fremden Kulturen oder einem neuen Leben. Ein Thema rückblickend auf eine traurige, eine hässliche Zeit. Eine Zeit voller Angst, Denunziantentum und Staatswillkür mit der aufgezwungenen Überzeugung, dass es nur eine Wahrheit gibt, auch wenn diese falsch ist. Und wohl gerade deshalb drängt dieses Thema so stark in die Gegenwart. Die Rede ist von Hans Fallada (eigentlich Rudolf Ditzen; 1893 bis 1947) und seinem Buch «Jeder stirbt für sich allein».

In den langen Stunden im Spital habe ich Hörbücher kennen- und schätzen gelernt. Seither sind sie mein täglicher Begleiter. Derzeit Hans Falladas «Jeder stirbt für sich allein».

Auf Hans Fallada bin ich seiner Sprache wegen gestossen. Sein objektiv-nüchterner Stil, die anschaulichen Milieustudien und die überzeugenden Charakterzeichnungen aus einem Berlin am Ende der Weimarer Republik faszinieren und erschüttern zugleich.

Interessant, wenn wir den Bogen zu heute spannen, wird Fallada deshalb, weil ein Grossteil seiner Werke der «Neuen Sachlichkeit» zugeschrieben werden.

Auf Wikipedia heisst es dazu: «Die Beobachtung und Abbildung der äusseren Wirklichkeit, wie die Konstruktion des Lebens auf der Basis von Fakten, bestimmt die ‘neusachliche’ Literatur der 1920er- und 1930er-Jahre». Und weiter heisst es: «Breite Teile der Bevölkerung sollten durch diese neue Literatur am kulturellen Leben teilhaben. Man beschrieb die Realität so exakt und ohne Übertreibungen, um die Menschen durch diese Missstände wachzurütteln und so die Gesellschaft zu verändern. Die Bevölkerung sollte durch die «Massenkultur» für die Demokratie begeistert werden.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 begann eine neue Blütezeit pathetisch-ideologischer Literatur. Der demokratiefreundliche Gehalt der Schriften der Autoren der «Neuen Sachlichkeit» führte zur Verbrennung ihrer Bücher, teils auch zur Verhaftung der Autoren, denen es nicht gelungen war, rechtzeitig ins Exil zu flüchten.»

Heute werden keine Bücher mehr verbrannt, aber missliebige Journalisten, den Fakten verbundene Frauen und Männer, von Pressekonferenzen ausgeschlossen, verunglimpft und ins Abseits geschoben. Doch zurück in die Vergangenheit.

In «Jeder stirbt für sich allein» wird der authentische Fall des Ehepaars Otto und Elise Hampel, das 1940 bis 1942 in Berlin Postkarten-Flugblätter gegen Hitler ausgelegt hatte und denunziert worden war, beschrieben. Es sind Schreinermeister Otto Quangel und seine Frau Anna, die, nachdem sie in einem Brief lesen mussten, dass ihr einziger Sohn im Westfeldzug gefallen war, entscheiden, Widerstand zu leisten. Einsamen Widerstand mit Postkarten, gefüllt mit antifaschistischen Botschaften, die sie in Treppenhäusern auslegen.

Das Thema des Buches: das Verhältnis von Macht und Moral in der Diktatur. Das bestimmende Element: die Angst (die diese Postkarten bei allen Beteiligten auslösen). Langjährige Freundschaften drohen zu zerbrechen, weil angesichts der Botschaften plötzlich dem Gegenüber misstraut wird. Die Angst ist derart massiv, dass die Postkarten grossmehrheitlich ihre Wirkung verfehlen. Anstatt die Menschen gegen Hitler aufzuwiegen, stürzen die kurzen Botschaften die Menschen in Angst und Schrecken.

Feb.
26

Wie sicher ist Vietnam?

Wie sicher ist Vietnam?

Die Antwort ist ebenso einfach wie vielschichtig und lautet: So klar lässt sich das nicht sagen. Gemäss den offiziell verbreiteten Meldungen ist Vietnam ein sicheres Reiseland und – so viel kann ich bestätigen – ich fühle mich hier sicher. Man muss sich aber bewusst sein, dass es verschiedene Sicherheiten gibt und das eigene Sicherheitsgefühl immer relativ ist.

Die Rechtssicherheit lässt zu wünschen übrig. Das ist klar. Auch im Strassenverkehr. Mietmotorräder sind im Allgemeinen nicht versichert. Ausländische Führerausweise werden nicht anerkannt. Wie schnell, ohne eine Busse zu riskieren, gefahren werden darf, hängt von verschiedenen Faktoren ab, auf die ich sicher später einmal eingehen werde.

So oder so: In einem Schadenfall haften Ausländer meist für alle Kosten eines Unfalls, unabhängig der Schuldfrage, ist auf vielen Websites zu lesen.

Auch der öffentliche Verkehr ist nicht ohne Gefahren. Der Zug, der Vietnam vom Norden nach Süden durchquert, vielleicht ausgenommen. Langsam zwar, aber doch eher auf der sicheren Seite. Ich meide vor allem Mini-Busse. Die sind zwar extrem günstig, aber selten einigermassen bequem und ihr Fahrstil entspricht nicht meinen Vorstellungen. Kommt hinzu, dass die Fahrer vielfach fast Tag und Nacht durchbrettern, also ziemlich übermüdet sind.

Die Schlafbusse bieten da schon einiges mehr an Komfort; aber ich wundere mich bei deren Fahrstil, wie wenig Unfälle es gibt oder wie wenig man darüber liest.

Die zehn Mio. Metropole Ho Chi Minh City gilt für Touristen im Zentrum als eher gefährlich, da vor allem Entreissdiebstähle und damit verbundene Sturz- oder Unfallfolgen in den letzten Jahren zugenommen haben. Ich habe über zwei Monate in dieser hektischen, überfüllten Stadt gelebt (Vietnamesen sagen, neben den offiziell über neun Millionen leben noch rund drei Millionen Menschen ohne Registrierung) und nie ein Problem gehabt.

Hier in Nha Trang ist eh alles viel beschaulicher. Trotzdem raten Vietnamesen beim Benutzen des Handys im öffentlichen Raum immer zur Vorsicht. Auch beim Abschliessen sind sie Weltmeister.

Ich bin eher der Ansicht, dass meine vietnamesischen Freunde ein bisschen stark auf Vorsicht machen. Ich lache dann jeweils und sage: Paranoia!

Es wird immer alles doppelt und dreifach abgeschlossen. Und als ich zwei Vietnamesen unser Haus zeigte, mahnte der eine angesichts der tagsüber offenen Balkontüre im ersten Stock, dass wir diese besser schliessen sollten, da jemand über das Dach des Nachbarn in unser Haus einsteigen könnte.

Ich gab zu bedenken, dass wir ja im Haus anwesend seien und einer schön doof sein müsse, über den Balkon einzusteigen (wo ihn jeder auf des Nachbars Dach sieht), wenn er auch durch den offenen Hauseingang reinrennen und uns überfallen könne.

Der Polizist, der uns besuchte und überprüfte, ob wir angemeldet sind, verwies auf mein Mountainbike, das ich nach einer Tour draussen, im abgesperrten Eingangsbereich stehen hatte. Er meinte, ich solle das Bike besser ins Haus nehmen, was ich jeden Abend auch tue. Aber auch hier frage ich mich: Wenn jemand so dreist wäre, während des Tages, wenn hier in der Strasse wirklich einiges los ist und wir zuhause sind, über das abgeschlossene zwei Meter hohe Tor zu klettern, sich das Mountainbike zu krallen und wieder zurück zu klettern, notabene mit dem Mountainbike auf dem Rücken, dann wäre dieser jemand von der ganz üblen und bösen Sorte, der vermutlich vor noch viel schlimmeren Taten, die ich auch mit dem Wegsperren des Mountainbikes nicht verhindern könnte, nicht zurückschrecken würde.

Wie gesagt, ich fühle mich hier sicher. Dieses Gefühl hat sich gerade eben in der Bank bestätigt. Um Geld abzuheben ging ich auf den Hauptsitz meiner vietnamesischen Bank hier in Nha Trang. Weder bei der Zufahrt noch im Eingangsbereich zur grossen Schalterhalle war viel von Sicherheitsvorkehrungen zu sehen. Hinter der Eingangstüre, neben der Empfangsdame stand ein Polizist mit einer kleinen Pistole am Gurt. Sonst war in der grossen Schalterhalle kein weiterer Sicherheitsbeamter zu entdecken.

Rechts hinten, in einer Ecke stapelte hinter einer etwa 1.30 Meter hohen Glasscheiben (da springt fast jedes Kind drüber) ein Bankangestellter Geld. Bündelweise füllte er 500'000 VND-Noten in Plastikbehälter. Kein weiterer Sicherheitsbeamter oder sonst wer war auszumachen. Der Stapel mit den abgefüllten und auf einfache Art versiegelten Behältern war eindrücklich.

Die in der ganzen Halle verteilten Schalter für den Kundenkontakt (so etwa 20 an der Zahl) trennen auf dieselbe Art Kunde und Bankpersonal. Der Kunde setzt sich vor das Glas, die Bankangestellte ist dahinter. Das Geld für die Auszahlung lagert in Schubladen und wenn die Bankangestellte das Geld in den Zählautomaten steckt, könnte jeder in meiner Grösse aufstehen, den Arm über das Glas strecken und das Geld an sich nehmen.

Es mag sein, dass es hier Sicherheitsvorkehrungen gibt, die sich dem Otto-Normal-Bankkunden nicht offenbaren. Diesen Eindruck machte die Schalterhalle aber nicht. Eher kommt man sich in die 50er-Jahre zurückversetzt vor. Mir auf jeden Fall geben diese Nicht-Sicherheitsvorkehrungen ein Gefühl der Sicherheit.

Feb.
25

Pünktlichkeit auf Vietnamesisch

Pünktlichkeit auf Vietnamesisch

Heute waren wir mit einem Freund und seiner Frau fischen. Wir fuhren morgens um 8 Uhr rund 30 Kilometer südlich Richtung Cam Ranh zu einem Bekannten meines Freundes und dessen Familie. Bauern. Sie bewirtschaften etwas Land mit zwei Kühen, Hühnern und haben zwei grosse Teiche. Einer mit Krebsen der andere mit kleinen Fischen. Diese haben wir dann mit einfachen Ruten gefangen und anschliessend wurden sie gebraten.

Es folgte ein herrliches, vietnamesisches Essen mit viel verschiedenen Gerichten. Fisch, Nudeln, Reis, Fleisch, Gemüse, Nüsse, eine Art Knäckebrot, Bier und zum Abschluss Früchte mit Salz.

So gegen halb zwei sagte mein Freund: «Oh schon halb zwei! Ich habe um zwei eine chinesische Reisegruppe, mit der ich eine zweitägige Insel-Tour mache.»

Mein Freund, Quinh mit Namen, ausgesprochen Vinh, ist Tourguide. Ich fragte: «Wann hast du diese Tour? Morgen?»

«Nein heute», lachte er und er hob sein Glas, um anzustossen.

«Aber das schaffest du nicht mehr», sagte ich etwas verwundert, weil er ganz ruhig sitzen blieb und keine Anstalten machte, aufzubrechen.

Er lachte und setzte sein Essen fort. Das Thema schien erledigt und ich sagte mir, die Tour startet sicher morgen. Da habe ich ihn missverstanden.

Fast eine halbe Stunde und mehrfaches Anstossen später schaute er wieder auf die Uhr und sagte: «Jetzt muss ich aber anrufen und sagen, dass ich später komme.»

Er telefoniert. Er lacht. Auch sein Gegenüber scheint das lustig zu finden. Dann legt er das Handy weg.

«Was ist nun», will ich wissen. «Wann hast du deine Reisegruppe?»

«Wir fahren so gegen halb drei. Dann bin ich um drei beim Office. Das ist nur eine Stunde zu spät. Das ist schon OK.»

Ein paar Minuten vor drei fahren wir los. Auf dem Rückweg hält er noch zwei Mal an, um mir fotografische Hotspots zu zeigen, die ich schon lange kenne.

Im Bild: Romantisches Bauernleben in der Nähe von Cam Ranh.

Feb.
23

Text ARTelier sponsort Sonnenschutz

Text ARTelier sponsort Sonnenschutz

Solange ich keine Arbeitsbewilligung habe, tritt die Text ARTelier GmbH hier in Nha Trang als Sponsor unseres Sonnenschutzes auf. Gestern haben wir den Storen bestellt, heute wurde er frisch bedruckt angeliefert. Es geht also auch ganz fix hier in Vietnam.

Feb.
22

Damit alle immer auf dem Laufenden sind

Die beiden Blog-Kategorien «TAM-News» und «Faszination Vietnam» können als eMail kostenlos abonniert werden. Was ist zu tun?

Das Abo kann jederzeit und mit nur einem Klick gekündet werden.

Die hinterlegte E-Mail-Adresse wird weder weitergegeben noch für irgendwelche Werbe- oder andere Mails genutzt. Sie dient lediglich dem Versand des Blogs.

Feb.
21

Interne Schulung am USZ mit «Das Werkstück»

Der Aufsatz «Das Werkstück» wird vom Universitätsspital Zürich in Zukunft in der internen Schulung verwendet.

Wie Prof. Dr. med. Gregor Zünd (Vorsitzender der Spitaldirektion/CEO) in seinem Schreiben mitteilt, soll der «ausführliche und sprachlich sehr differenzierte Text internen Schulungen unseres ärztlichen und Pflegepersonals» eingesetzt werden.

Das zeigt mal wieder: Auch negative Erfahrungen haben positive Seiten.

Feb.
20

Gästezimmer in Nha Trang zu vermieten

Gästezimmer in Nha Trang zu vermieten

Wie die Jungfrau zum Kinde bin ich hier in Nha Trang zu einem Gästezimmer gekommen. Ich wollte ja nur in Hotels leben, aber als ich dieses Haus sah, musste ich meinen Vorsatz begraben.

Neben dem Erdgeschoss (Eingangs-, Office-, Küchen- und Essbereich) belegen wir im ersten Stock zwei Zimmer. Der Gästebereich ist im zweiten Stock. Dieser verfügt über das Gästezimmer, einen Balkon, ein eigenes Bad und eine Terrasse.

Mittlerweile haben wir das Zimmer eingerichtet, so dass es für unsere Freunde zur Verfügung steht. Zudem haben wir es für fremde Gäste auf Airbnb ausgeschrieben.

Bin ja mal gespannt, wie ich mich als Gastgeber so mache….!

Auf Airbnb können auch einige Bilder mehr, sowie ob und wann das Zimmer frei ist, eingesehen werden.

Selbstverständlich freue ich mich, wenn Freunde und Bekannte bei Interesse sich direkt bei mir melden.

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Feb.
19

Sugomi oder FTC

Sugomi oder FTC

Heute mal einen Post in eigener (Gesundheits-)Sache oder sollte ich sagen, eine Angelegenheit der Mobilität?

Ich bin ja nun wirklich nicht der Typ, der einem Motorrad einen Namen gibt, auch kein Motorradpfleger oder -putzer, aber: Als ich die Kawasaki Z1000 sah, da wusste ich, dieses Teil musst du haben, das ist FTC. Nicht wegen den 1000 ccm oder den 142 PS. Es war die Optik: «Sugomi» - furchteinflössende Ausstrahlung, heisst es da im Internet. «Das einmalige, aggressive Design bringt die Z1000 auf eine neue Stufe. Der Verzicht auf Überflüssiges betont die reine Funktionalität und vermittelt ein intensives, pures Fahrerlebnis.»

Das Fahrerlebnis hier in Vietnam hält sich in Grenzen. Hohe Geschwindigkeiten sind (1.) nicht fahrbar, zu unberechenbar sind Verkehr und Strassenzustand, Kurvenfahrten wie das Timmelsjoch und die Hochalpenstrasse habe ich (2.) hier noch nicht gefunden, und (3.) wenn es sie doch gibt, greift Punkt eins in die Eisen.

Der «Verzicht auf Überflüssiges» führte dazu, dass ich einen Gepäckträger konstruieren lassen musste, wir einen neuen, bequemeren Soziussattel bestellten, bei Tempo 40 (innerorts) die Wärme vom Motor nach oben aufsteigt und und ….. Aber: Wenn ich aufsitze, den Zündschlüssel umdrehe, Engine-Start drücke und lossurre, dann lässt sich alles Drumherum vergessen. Ganz so, als könnte ich den Schmerzen und Nachwehen meiner Krebsoperation und Bestrahlungstherapie, der lädierten Zunge, den Ess- und Schluckbeschwerden einfach davon fahren.

Oder anders gesagt: Gegen dieses Teil hat der Krebs in Zukunft keine Chance mehr. Dem düse ich alleweil um die Ohren. Allein schon die aggressive Optik lässt ihn erstarren. Der sieht nur noch die röhrenden Auspuffenden, eben FTC «Faster than Cancer»!

Übrigens: Dieses FB-Teilen «Wenn du jemand kennst, der Krebst hat, dann ......» finde ich ziemlich öde. Das musste jetzt auch noch gesagt sein!

Feb.
17

Abzocke gibt’s auch in Vietnam: Wild Beach Resort

Abzocke gibt’s auch in Vietnam: Wild Beach Resort

Nördlich von Nha Trang, bei Ninh Hoa, ragt eine Landzunge ins Meer. Dessen südliche Spitze war mein Ziel des heutigen Ausfluges und die rund 70 Kilometer dorthin haben sich gelohnt. Ein herrlicher, einsamer Sandstrand mit einem einfachen Hängemattenlokal (im Bild) war das Ziel.

Der Weg dorthin führt etwa 40 Kilometer bis Ninh Hoa auf der berüchtigten Nationalstrasse 1, vietnamesisch Quốc lộ 1A oder beschriftet als AH1. Sie ist die wichtigste Strasse Vietnams und verläuft über mehr als 2000 km durch das gesamte Land von der chinesischen Grenze bis ins Mekongdelta. Sie gilt als das verkehrstechnische Rückgrat Vietnams.

In Ninh Hoa also rechts weg und Gashahn auf. Nur noch wenig Verkehr, mal ein paar Kühe, aber vor allem viel Natur. Linker Hand einsame Sandstrände, die wohl nur zu Fuss erreichbar sind, vor mir bewaldete Hügel über die meine Strasse führt.

Im Wald, kurz vor dem Anstieg sehe ich das Schild «Wild Beach Resort». Also voll in die Eisen und auf den Parkplatz. Sofort kommt der Parkplatzwächter und weist mir einen Platz im Schatten zu. Dann streckt er die Hand aus und verlangt 200'000 VND. Etwa 9 Franken!

Jetzt muss ich erklären: Fast überall, wo man mit dem Motorrad, dem Motorroller oder dem Fahrrad hinkommt, gibt es Parkplatzwächter. Mal muss man etwas bezahlen, im Normalfall etwa 5000 VND, etwa 25 Rappen, oder es ist gratis, bei Restaurants, Geschäften usw.

Ich blickte demnach ziemlich ungläubig aus der Wäsche und ging davon aus, den Mann im orangen Wild-Beach-Resort-T-Shirt falsch verstanden zu haben. Er aber beharrte darauf.

Ich bezahlte und fügte gehässig an: «An der Rezeption werde ich mich beschweren. Ich will ja nur einen Drink nehmen, mir die Anlage anschauen, ob ich sie weiterempfehlen kann und dann, in einer halben Stunde bin ich wieder weg!»

Den Gang zur Rezeption hätte ich mir ersparen können. Die Dame erklärte mir lang und breit, für dieses Geld dürfte ich die ganze Anlage besichtigen und wenn ich dann hier nächtigen würde, bekäme ich die 200'000 VND zurückerstattet. Also liess ich mich auf dieses Spiel ein und sagte, wenn es mir gefallen würde, käme ich sicher später für eine Übernachtung. Sie solle mir doch bitte eine Quittung ausstellen, damit ich dann die 200'000 VND werde einziehen können.

Dafür hatte sie kein Musikgehör. Ich bekäme das Geld nur zurück, wenn ich heute bleiben würde. Doch das wollte ich bekanntlich nicht. Im muffig riechenden Restaurant – der schlechte Geschmack mag ja daran liegen, dass es in letzter Zeit viel geregnet hat - trank ich noch einen Bananen-Smoothie, verzichtete aber auf die Besichtigung der Zimmer und machte ich mich vom Acker.

Bei der Weiterfahrt zum oben erwähnten Traumstrand fragte ich mich, wie es wohl im SPA riechen wird, wenn es schon im Restaurant müffelte.

Feb.
16

Drei oder vier? Das ist hier die Frage

Drei oder vier? Das ist hier die Frage

In Vietnam ein Haus einzurichten hat so seine Tücken. Für das Gäste- und das Schlafzimmer wollte ich je zwei, also vier (!) einfache Nachttische.

Allgemein ist hier die Auswahl in Sachen Möbel nicht sehr gross. Viele Geschäfte, aber alle haben dasselbe. Da kommt es dann schon vor, dass einem etwas vorschwebt, dieses Eine aber einfach nicht zu finden ist. So kauft man dann halt etwas Anderes. Doch ob dieses auch passt?

Nun, kein Problem. Kaufen wir eines. Wenn es nicht passt, ist wenig Geld verloren. Wenn es passt, dann kaufen wir noch drei Stück. Also mischte ich mich in die Verhandlung und den Nachttisch mit ein und sagte: «Ist gekauft, wenn sie vier davon haben.»

«Was? Sie wollen vier! Dann kriegen sie einen besseren Preis.»

«Nein. Ich will derzeit nur ein Nachttisch. Aber wenn das Möbel passt, dann will ich noch drei dazu haben. OK? Haben sie vier Stück?»

«Ja. Kein Problem. Wir haben vier Stück!»

Angesichts der Tatsache, dass ich vier Stück kaufen möchte, geht die Inhaberin noch etwas mit dem Preis runter. Anschliessend transportieren wir den Nachttisch mit der Kawa Z1000 nach Hause. Vorher hatte ich aber noch ausgemacht, dass ich die drei Nachttische nicht mit meinem Motorrad transportieren werde. Sie sollten geliefert werden.

«Ja, ja,» sagte die alte Frau und zeigte auf ihren Mann. Etwas zittrig zwar schon. Aber ihm traute ich den Transport zu, mir nicht. «Er wird ihnen die drei Möbel bringen», sagte die Frau lächelnd.

Zuhause angekommen stellten wir fest: Das Teil passt ausgezeichnet. Also nichts wie los und die anderen drei bezahlen. Keine halbe Stunde später fährt der alte zittrige Mann vor. Auf dem Motorroller hat er zwei Nachttische und ich frage verblüfft. Wo denn der dritte sei?

«Er entschuldigt sich. Drückt mir das Geld für einen Nachttisch in die Hände und sagt: «Wir haben nur drei!»

Im Bild: Die Strandpromenade von Nha Trang. Wer braucht denn da vier Nachttische?

Feb.
13

Es isch ja nur ä chlises Träumli gsi

Es isch ja nur ä chlises Träumli gsi

Es gibt Momente da frage ich mich: Bin ich in einem Film oder träume ich. Ist das wirklich real, was ich hier erleben darf?

Gestern hatte ich vietnamesische Freunde in den Sailing Club Nha Trang eingeladen. Dieses Lokal an der Beach ist ein Touristen-Hot-Spot und das Bier entsprechend teuer. Von der leicht erhöhten Terrasse sieht man auf den Strand und all die Sonnenhungrigen, die sich dort für ein paar Tage tummeln. Plötzlich kam bei mir die Frage auf: Ist es wirklich wahr, dass ich nun hier lebe? Dass das meine neue Heimat ist? Mir war, als würde ich träumen.

Etwas später an diesen Sonntagnachmittag wurde das Bett für das Gästezimmer angeliefert. Ein Doppelbett mit Metallgestell und mir war beim Kauf klar, das wird mit einem kleinen Lastwagen angeliefert.

Doch weit gefehlt. Es kam mit einem Motorroller. Fotografieren konnte ich ihn leider nicht mit der Last. Er stand hupend vor der Einfahrt. Ich musste hinauseilen, um ihm beim Absteigen behilflich zu sein, damit das Motorrad nicht samt Bett umkippte und wieder fragte ich mich: Träume ich?

Später, als der Lieferant das Bett zusammensetzte hatte ich Zeit zum Fotografieren (im Bild der Motorroller nach dem Entladen) und wieder fragte ich mich: Ist das alles wirklich wahr?

Plötzlich erinnere ich mich an ein Volkslied aus meiner Kindheit: «Es isch ja nur ä chlises Träumli gsi» und weiter heisst es da: «Träumli gönd ja au so schnell verbii.» Doch ich weiss, dieser Traum ist real und ich hoffe, dass er so schnell nicht vorbei gehen wird.

Feb.
12

Blues-Night at the SwissHouse «La Casserole»

Blues-Night at the SwissHouse «La Casserole»

Bilder dazu in der Text ARTelier-Galerie Pictapas: https://peterjenni.myportfolio.com/blues-night-at-the-swisshouse

Feb.
06

Ein Blick ins Hinterland

Ein Blick ins Hinterland

Nha Trang besticht nicht nur wegen dem kilometerlangen Sandstrand. Auch das Hinterland weiss zu begeistern. Für eine lockere Biketour (40 Kilometer) bietet sich der Ho Am Chua-See an. Für die Umrundung (Bild unten) ist dann aber ein MTB unerlässlich.

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