Ok, das Bier fehlt, aber das Six-Days-Feeling an diesem Samstag auf der Terrasse war trotzdem atemberaubend und trug mich in eine Vergangenheit voller spannender Erinnerungen. Reminiszenzen, die ich hier aber nicht ausbreiten werde.
Das Zürcher Sechstagerennen gehört zu den traditionsreichsten Bahnradrennen der Welt. Die Hochphase lag in der Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre. Zürich zog regelmässig die weltbesten Bahnfahrer an, darunter Legenden wie Hugo Koblet, Ferdi Kübler und internationale Stars. Das Rennen galt als gesellschaftliches Ereignis mit Unterhaltungsprogramm und war für viele Zürcher (so auch für unsere Eltern) ein Wintertermin.
Auch für mich waren die Six-Days jeweils einen Ausflug nach Zürich wert. Insbesondere in der Zeit als mein Cousin Gerard Jenni Direktor des Hallenstadions war. Die «Güggeli» vom Grill, das Bier und die Stimmung, einfach sensationell.
Das Durchführung wurde mehrfach unterbrochen – u.a. in den 1990ern und frühen 2000ern wegen mangelnder Rentabilität und ebensolcher Sponsorennachfrage. Nach einer längeren Pause wurde es 2013 wiederbelebt, kämpfte aber weiterhin mit Finanzierungsfragen. In den letzten Jahren fanden sporadische Austragungen statt, jedoch ohne die frühere Kontinuität. Das Rennen leidet wie viele Sechstagerennen unter rückläufigem Publikumsinteresse und dem Konkurrenzangebot moderner Sportveranstaltungen. – Irgendwie schade. Die Zürcher Six-Days wären wiedermal eine Reise wert gewesen.