Immer mehr Menschen nutzen so genannte «alternative» Medien als Informationsquelle. Ein grosser Teil von ihnen verbreitet Desinformation und Verschwörungstheorien.
Als pensionierter Journalist, der den Grossteil seines Arbeitslebens mit Medienarbeit verbracht hat, erfüllen mich die «Alternativmedien» (Desinformationsportale) mit Unwohlsein, denn sie wirken weit in die Gesellschaft und schüren das Misstrauen gegen die parlamentarische Demokratie, gegen Wissenschaft und Medien. Ich habe mir einmal drei dieser Publikationen (Uncut News, Apolut und Manova) etwas näher angeschaut, respektive das Netz danach durchforstet.
Uncut News ist ein Schweizer «Alternativmedien-/Desinformationsportal», das 2014 von einem Winterthurer (Horst B.) gegründet wurde. Es ist ein anonym betriebener, deutschsprachiger Online-Blog, der sich selbst als «unabhängiges Newsportal» bezeichnet. Die Betreiber nennen sich «Don R. Wetter und sein Team» und verzichten weitgehend auf ein Impressum. ZHAW-Medienprofessor Vinzenz Wyss bezeichnet es explizit als Fake-News-Site, die sich auf Halbwahrheiten und nicht belegbare Behauptungen spezialisiert hat. Kurz gesagt: Es ist kein journalistisches Medium, sondern ein Desinformationsportal mit politischer Agenda. Tages Anzeiger: «Die verlinkten Quellen führen auf dubiose private Blogs auf der ganzen Welt. Häufig auch auf rechtslibertäre News-Websites aus den USA, die gegen die Eliten und den «linken Mainstream» anschreiben.»
Apolut wird von Medienexperten und in Fallstudien (z.B. gegenmedien.info) als «Aggregator für Verschwörungserzählungen» eingestuft, der inhaltlich als Vernetzungsplattform für die verschwörungsideologische Szene fungiert. Ken Jebsen selbst rief 2024 in einem Video zur Wahl der AfD auf. Ein Blick in die Herkunft zeigt: Apolut ist der direkte Nachfolger der Plattform KenFM, gegründet vom ehemaligen Radio- und TV-Moderator Ken Jebsen (bürgerlich: Kayvan Soufi-Siavash). KenFM wurde 2021 vom Netz genommen, nachdem die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) ein Verfahren wegen Verstössen gegen die journalistische Sorgfaltspflicht eingeleitet hatte. Wer heute kenfm.de aufruft, wird automatisch auf apolut.net weitergeleitet.
In eine ähnliche Kategorie gehört Manova. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete es als «Querfront-Magazin», der Medienkritiker Roger Schawinski als «Internetportal mit Verschwörungstheoretiker-Groove». Inhaltlich gibt es klare Kontinuitäten: Ablehnung der Corona-Massnahmen, Impfskepsis, kremlnahe Positionen zum Ukraine-Krieg. Während der Pandemie wurde es zu einer zentralen Plattform der Querdenker-Szene.
Im Vergleich zu Uncut News oder Apolut hat Manova einen etwas literarisch-essayistischeren Stil und versteht sich stärker als politische Bewegung. Manche Beiträge sind inhaltlich differenzierter – was es aber laut Medienwissenschaftlern eher gefährlicher macht, da es seriöser wirkt als reine Desinformationsportale.